Rathaus mal ganz anders: Dort, wo sonst Henning Voscherau und Ole von Beust streiten, tagen seit gestern 90 Schüler, Lehrlinge und Studenten. Motto: "Jugend und Parlament". Sie debattieren und diskutieren genauso wie die Abgeordneten, fassen Beschlüsse und hoffen, daß ihre Ideen von den Profis aufgegriffen werden. Für die MORGENPOST berichtet Steven Galling (20). Er ist Vorsitzender der Hamburger Schülerkammer.
"Normalerweise werden wir Jugendlichen von den Hamburger Politikern kaum beachtet", findet Rosa Bracker aus Eimsbüttel. Sie hat es mit in der Hand, das zu ändern. Die 15jährige Schülerin wurde gestern ganz feierlich im prunkvollen Plenarsaal zur Präsidentin der jugendlichen Abgeordneten gewählt. So wie die echte Bürgerschaftspräsidentin Ute Pape es in der Bürgerschaft tut, wird Rosa Bracker die Debatten der Jungparlamentarier leiten: "Wir hoffen, bis zum Donnerstag ein paar flotte Ideen einbringen zu können."
Karl Stellmacher, Pressesprecher der Bürgerschaft, zeigte sich begeistert vom Nachwuchs: "Die jungen Leute machen einen frischen, fröhlichen und gleichzeitig sehr produktiven Eindruck."
Heute geht es bei den Nachwuchspolitikern richtig zur Sache: Sie diskutieren in einer "aktuellen Stunde" über die von den Profi-Politikern abgesegneten Schließungen von Hamburger Bücherhallen und über die Abschaffung der Wehrpflicht. Anschließend ziehen sie sich zu Beratungen in die gewählten Ausschüsse zurück.
Schon jetzt ist absehbar, daß viele der echten Politiker mit den Beschlüssen des Nachwuchses nicht zufrieden sein werden. Damit auseinandersetzen müssen sie sich in jedem Fall. Ute Pape wird die Beschlüsse der Jungparlamentarier der Bürgerschaft zur Beratung überlassen. Dann haben die Abgeordneten bis April Zeit, darüber zu brüten.
Die 20jährige Katrin Meyer wünscht sich, etwas zu bewegen. Doch allzu große Hoffnungen sollte sie sich nicht machen. Von den Forderungen der Jungparlamentarier aus dem vergangenen Jahr wurden - bis auf den Antrag zur Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre - alle abgeschmettert.
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