VON MAI/NP/DPA
Lehrte - Gestern, 11.24 Uhr. Die Akte 8F/8047/97 schließt sich. Es ist der Schlußstrich unter einen langen Rosenkrieg. Es ist das Ende der Ehe zwischen SPD-Ministerpräsident Gerhard Schröder (53) und seiner Frau Hiltrud (48).
Über 100 Kameraleute, Fotografen und Reporter drängeln sich gestern früh vorm Amtsgericht Lehrte. Die rot-weiße Absperrlinie - ein lächerliches Hindernis für die schubsenden Masse.
11.03 Uhr: Ein silberner Mercedes fährt auf den hinteren Parkplatz des Gebäudes. Es ist das Dienstfahrzeug von Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder. In seiner Begleitung: Freund und Anwalt Götz von Fromberg. In einer zweiten Limousine drei Bodyguards.
11.08 Uhr: Eine zierliche Frau, gekleidet in Jeans und Blazer steigt aus einem silbergrauen Opel Vectra - Hiltrud Schröder. Noch einmal hatte sie für diesen Tag Polizeischutz bekommen. Doch der ist machtlos. Die Medienvertreter stürzen sich auf die Noch-Ehefrau, bombadieren sie mit Fragen, erhalten aber keine Antworten. "Hillus" Gesicht ist angespannt.
11.10 Uhr: Die beiden Parteien sind im Gerichtssaal. Vier Justizbeamte kontrollieren Ausweise. Nur Gerichtsangestellten ist der Zutritt erlaubt.
11.15 Uhr: Die Verhandlung beginnt. Die Tür zu Saal 16 wird geschlossen.
11.24 Uhr: Richter Reinecke erhebt sich: "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Die Ehe von Gerhard und Hiltrud Schröder ist geschieden." Reinecke später zu den Journalisten: "Eine ganz normale Familiensache."
13 Jahre Ehe und dann eine Scheidung in neun Minuten - einigen ging das zu schnell. Denn gab es da nicht die monatelange Schlammschlacht Schröder gegen Schröder? Die Beschimpfungen und Zankereien um das liebe Geld? Sollte das in neun Minuten vom Tisch sein? Nein. Die Schröders hatten sich schon am Mittwoch abend beim Notar zusammengesetzt, um das Finanzielle zu regeln. Informationen zufolge ist der Ministerpräsident seiner Frau dabei "generös" entgegengekommen. Warum? Er will Kanzler werden, also muß endlich Ruhe in sein Leben kommen. So zahlt er "Hillu" zur Zeit zwar keinen Unterhalt (Sie: "Momentan verdiene ich selbst."), ist aber verpflichtet, ihr bis zu ihrem Lebensende Unterhaltszahlungen in Höhe von bis zu drei Siebteln seines Nettogehalts (ca. 12 500 monatlich) zu zahlen.
14 Uhr: Hiltrud in der Wohnung ihrer besten Freundin bei Hannover. Der Ort ist geheim. Neben ihr auf dem Sofa RTL-Exklusiv-Moderatorin Frauke Ludowig. Die beiden reden und reden, 60 Minuten. Im Anschluß an das Interview erzählte Frauke Ludowig der MOPO ihre
Eindrücke: "Frau Schröder war sehr gefaßt. Sie ist froh, nun das Leben mit Gerhard Schröder hinter sich lassen zu können. Sie fühlte sich befreit." Hiltrud Schröder hat sich das Fachwerkhaus in Immensen (Wert: 400 000 Mark) gekauft, wo sie mit ihren Töchtern Wiebke und Franca ein ruhiges Leben führen möchte.
Und was machte Herr Schröder nach der Scheidung? Vielleicht ging er in seine Wohnung in Hannover zu Freundin Doris Köpf, die von München in den Norden zog, um ihn beim Kampf um die Kanzlerkandidatur zu unterstützen. Und noch eine Frau drückt ihm die Daumen - Hillu. "Ich gönne ihm , daß er Kanzler wird." Warum auch nicht?
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