VON STU/DPA
Helsinki - Den Vorwurf von Bundeskanzler Gerhard Schröder, man tue nicht genug für die sprachliche Vielfalt der EU, wollte Ratspräsident Finnland nicht auf sich ruhen lassen. Deutsche Übersetzungen bei informellen Treffen werden zwar weiter abgelehnt. Dafür setzt Helsinki im "EU-Sprachenstreit" jetzt auf Latein - die Sprache der alten Römer.
Zum Hintergrund: Am 1. Juni übergab Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft an Finnland. Was unter Bonner und Wiener Regie gängige Praxis war, wird von Helsinki seitdem beharrlich boykottiert: Deutsche Übersetzungen bei informellen Treffen.
Das sei überfällig, da die meisten EU-Bürger Deutsch sprächen, begründen Bonn und Wien. Englisch, Französisch und Finnisch (als Sprache der Gastgeber) genügten, so die selbstbewußten Nordeuropäer.
Um den Vorwurf sprachlicher Engstirnigkeit nicht auf sich sitzen zu lassen, bietet Helsinki jetzt Nachrichten in klassischem Latein auf den Internet-Seiten der EU-Präsidentschaft (http://www.presidency.finland.fi) - ein Novum in der EU-Geschichte. Damit knüpfen die Finnen durchaus an alte europäische Tradition an, denn schon unter Römerherrschaft sprach Europa von Gallien bis Germanien Latein. In dieser Sprache beleidigten sich Asterix und Caesar.
Gerne hätten die Finnen diese Woche beim informellen Treffen der EU-Kulturminister in Savonlinna dem deutschen Staatsminister Michael Naumann vorgeführt, wie multilingual sie ihre Präsidentschaft verstehen. Aber Naumann boykottiert das Treffen aufgrund eines Bonner Beschlusses.
Dabei wurde über den Konflikt in den lateinischen News ("Nuntii Latini") penibel auf Neutralität geachtet und in korrektem Latein über den deutsch-finnischen Ärger berichtet ("Altercatio quaedam inter Finniam et Germaniam orta est").
Bei aller Komik - die Hamburger Europa-Abgeordnete Christa Randzio-Plath (SPD) hält den deutschen Anspruch auf sprachliche Aufwertung bei informellen EU-Treffen für absolut berechtigt. "Schade nur, daß es so in der Öffentlichkeit breitgetreten wird", sagte sie der MOPO. "Gerade kleine Länder wie Finnland stoßen im Rahmen der Präsidentschaft oft an ihre Kapazitätsgrenzen. Wenn dann noch Goliath Deutschland auf den kleinen David Finnland eindrischt, bleibt dem nicht viel übrig, als auf stur zu schalten..."
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