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21.01.2000
ARCHIV: Hamburg
 

Die schönsten Saiten der Welt

VON ISABELLE HOFMANN

Sich mit einer einzigartigen Sammlung raketengleich an die Weltspitze zu katapultieren, das wär's doch. Experten aus aller Herren Länder kämen herbeigeeilt, der Chef des Metropolitan Museums New York erlitte einen Schwächeanfall angesichts der erlesenen Kollektion. Welch verlockende Vorstellung. Wovon Hamburgs Museumsdirektoren nachts träumen, wird im Haus am Steintorplatz bald Wirklichkeit. Der Musikwissenschaftler und Unternehmer Andreas Beurmann schenkt die weltgrößte private Sammlung historischer Tasteninstrumente dem Museum für Kunst und Gewerbe für den neuen "Schümann-Flügel" (MOPO berichtete), dessen feierliche Schlüsselübergabe am 27. Januar stattfindet.

Feuerholz. Was sonst sollte man mit den alten sperrigen Dingern machen? Seit dem Siegeszug der Forte-Pianos, der Hammerflügel um 1800, waren Cembali, Clavichorde, Spinette und Virginale total "out". Kein Mensch interessierte sich mehr für die überholte Zupf-Technik der sogenannten Kielinstrumente, also wurden sie kurzerhand verbrannt. Nicht einmal mehr 2000 dieser historischen Instrumente existieren heute noch - weltweit verstreut. 170 davon werden nun in den Besitz des Museums für Kunst und Gewerbe übergehen. Ein unermesslicher Kulturschatz, der nur in Superlativen zu beschreiben ist: Das älteste spanische Cembalo (Toledo 1644), das älteste portugiesische (Lissabon 1650), das älteste französische, (Lyon 1630), das längste italienische und das einzige erhaltene böhmische Cembalo sind - unter anderen einzigartigen - in Hamburg zu finden.

Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein. Es war der 26. Februar 1996. Hamburgs Honoratioren versammelten sich in der Handelskammer, um den 75. Geburtstag der Justus Brinckmann Gesellschaft zu feiern. Unter den Gästen Professor Beurmann, Herr auf Schloss Hasselburg, SHMF-Gastgeber und Mäzen. Der Mann, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Labels "Miller International" und später "Europa" Billig-LPs von der Klassik bis zur Unterhaltungsmusik millionenfach unter das Volk brachte und dessen Frau, Heikedine Körting-Beurmann, mit mehr als 1400 Hörspiel-Produktionen für Kinder Mediengeschichte schrieb. Seit langem schon gehört das erfolgreiche Unternehmer-Paar zu den Förderern des Museums für Kunst und Gewerbe, seit langem schon trug es sich mit dem Gedanken, die in 35 Jahren zusammengetragene Sammlung historischer Tasteninstrumente nach Hamburg zu geben. Nun also, in der Handelskammer, stand Wilhelm Hornbostel vor ihnen und eröffnete sein waghalsiges Neubau-Projekt. Jetzt gleich, in seiner Rede, wolle er um Sponsoren werben. Beurmann reagierte spontan: "Wenn Sie den Neubau bekommen, bekommen Sie auch meine Sammlung". "Das", sagt Hornbostel heute, "war die Initialzündung". Diese Idee begeisterte den Beurmann-Freund und Hamburger Großunternehmer Hans-Otto Schümann so sehr, dass er sich bereit erklärte, den 14-Millionen-Anbau zu finanzieren.

Rund 90 der 170 Instrumente aus fünf Jahrhunderten (Beurmann sammelt auch neueste Technik) werden zur Zeit schon im Museum restauriert, zwei Etagen des 4500 Quadratmeter großen Schümann-Flügels sind für sie reserviert. Die übrigen verbleiben einstweilen auf Hasselburg, wo der leidenschaftliche Pianist Beurmann regelmäßig selbst (stets ausverkaufte) Konzerte gibt. "Wenn er spielt und erklärt, wie sich ein Mendini-Cembalo (Florenz 1701) von einem niederländischen Dulcken-Cembalo (Antwerpen 1755), unterscheidet, sind seine Zuhörer hingerissen", schwärmt Hornbostel von dem "brillanten Pädagogen", den er so oft wie möglich zu Klavierabenden einladen möchte. Dann wird Beurmann zweifellos auf seinen "Lieblingen" spielen. Auf dem flämischen Ruckers-Cembalo von 1628 (die Flügel-Innenseite schmückt eine Landschaftsmalerei). Oder auf dem prachtvollen Celestini-Virginal von 1587. Er wird spielen und auf die Inschrift eines anderen italienischen Virginals aufmerksam machen: "Lass mich nicht klingen, wenn dir nicht wohl ums Herz."






 

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