Montag, 15.03.2010

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06.11.2000
ARCHIV: Sport
 

Der Skandal vom Betze

VON M. SCHICKEL

Marian Hristov ist 188 Zentimeter groß und 101 Kilogramm schwer. Dieser Baumstamm von einem Mann fiel in der 67. Minute wie vom Blitz getroffen einfach hin, Schiedsrichter Edgar Steinborn, einer der versiertesten und besten seiner Zunft, fiel auf die Schwalbe der Saison herein und gab Elfmeter.

Der Rest ist bekannt: Kaiserslautern lag zu diesem Zeitpunkt eigentlich aussichtslos mit 0:2 gegen Schalke zurück, niemand mehr gab einen Pfifferling für die Spieler von Teamchef Andreas Brehme. Doch Harry Koch versenkte den geschenkten Elfmeter sehr sicher, die weiteren Tore durch Thomasz Klos und Olaf Marschall fielen fast zwangsläufig. Plötzlich hatten die Pfälzer mit 3:2 gewonnen - und diesmal bebte nicht der Betze, sondern es bebten die Schalker - vor Wut. Thomas Waldoch, der bei der fraglichen Aktion der Übeltäter gewesen sein soll: "Ich habe ihn nicht berührt, das ist einfach lächerlich." Trainer Huub Stevens sprach von den "zwölf Mann, gegen die es in Lautern immer geht". Und bei Zigarrenqualmer Rudi Assauer rauchte es besonders: "Dieser Elfmeter ist ein Witz! Die FCK-Zuschauer haben sich vor Lachen auf die Schenkel geklopft." So weit alles richtig, dann aber wurde Assauer unsachlich: "Ist der Schiri blind oder macht er es absichtlich?" Und: "Vielleicht liegt es ja daran, dass der Schiedsrichter-Betreuer ganz zufällig der Vater von Dr. Markus Merk ist." Merk gilt als Deutschlands bester Unparteiischer und ist FCK-Mitglied aus Überzeugung ...

Alle fielen sie also über Edgar Steinborn her, besonders heftig im ZDF-Sportstudio der Kommentator Thomas Wark. Der aber wusste seinerseits noch fünf Stunden nach Spielschluss nicht, dass der FCK-Schütze zum 2:2 nicht, wie er behauptete, der Stürmer Thomas Klose gewesen war, sondern der polnische Abwehrrecke Thomasz Klos. Und auch Rudi Assauer sprach von einem weiteren Fehler des Schiris vorm 2:2, verwechselte dabei aber Einwurf und Eckball. Will sagen: Die Herren Assauer und Wark irrten sich noch minuten- bzw. stundenlang nach Spielschluss, Edgar Steinborn musste in Sekundenbruchteilen entscheiden. Ein schwerwiegender Fehler war es trotzdem, der eigentliche Betrüger aber hieß Marian Hristov. Normalerweise müsste ihn die DFB-Sportgerichtsbarkeit wegen grob unsportlichen Verhaltens ein paar Wochen aus dem Verkehr ziehen.

Und es gab noch einen, der sich kräftig danebenbenahm. Trainer Huub Stevens zeigte beim Gang in die Kabine einigen Krakelern auf der Tribüne den "Stinkefinger" und trug damit nicht gerade zum besseren Ansehen seines ohnehin in Misskredit geratenen Berufsstandes bei. Fragt sich noch, wer denn das schlechteste Gewissen haben muss: Umfaller Hristov, Pöbler Assauer, der ungezogene Stevens oder Schiri Steinborn ...





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