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08.03.2001
ARCHIV: Hamburg
 

Zwischen Glorie und Geldvernichtung

VON MB

Im Wein steckt Wahrheit, Wahnsinn und Waschküche: Es brauchte 1994 einige Gläschen, um Carol von Rautenkranz, Chef der ursprünglichen Die-Sterne-Plattenfirma "L'Age d'Or", von der Housefrauen beglückenden Idee "Ladomat 2000" zu überzeugen. Doch seitdem tanzten bei dem kurzerhand auf diesen Namen getauften neuen Label nicht nur die Kakerlaken auf den Tischen: Zwischen Glorie und Geldvernichtung erschienen 99 stilistisch bunte Platten von Ambient bis Whirlpool Productions - letztere konnten 1996 mit "From: Disco To Disco" gar U2 von der Chartspitze verdrängen. In Italien.

Chefin der kleinen, aber feinen Hamburger Firma ist Charlotte Goltermann, laut eigener Aussage "Gründerin, Plattenbossin, DJ-Mutti und Wächterin über alle Musik". Ein Allroundtalent: "Oft koche ich auch Kaffee oder mache Brote für meine Lieblingskünstler", gibt sie zu Protokoll. Zur Zeit lebt die Frau mit dem Sinn für das Außergewöhnliche in der Bundeshauptstadt, denn "Berlin muss zerstört werden", hieß es schließlich schon bei Tocotronic "als noch ordentlich sloganiert wurde".

Mit Kind. Ist das Dasein als Plattenfirmenchefin eine gute Vorbereitung auf die Rolle der Mutter? "Man lernt, mit wenig Schlaf auszukommen, aber es gibt bessere Vorbereitungskurse auf die Mutterschaft als das Musikbiz - Hantelnstemmen zum Beispiel".

Das Motto von "Ladomat 2000" ("gute Musik von guten Menschen") lässt Raum für Abwegiges, dementsprechend obskur waren zum Teil die eingesandten Demokassetten. "Nett waren die vom 16-jährigen Trommelgott Suguru Kusumi aus Japan. Die erste kam mitsamt eines Fotos von Sugurus mit Coca-Cola-Dose und seiner Oma, das zweite begleitete ein Selbstbildnis des Künstlers mit MP im Riesen-Farn-feld. Wir haben ihn außer auf Fotos noch nie gesehen und verkehren nur per E-mail. Derzeit behauptet er, in Japan gäbe es keine Plattenspieler, damit wir ihn auf CD veröffentlichen ..."

Zum Firmenjubiläum erschien dieser Tage der Sampler "Ladomat 100" mit einem bunten Querschnitt durch das Label-Repertoire und bisher unveröffentlichten Beiträgen von Console, Commercial Breakup, Egoexpress sowie vielen anderen. Da fehlt nur noch die Antwort auf die letzte aller Lado-Fragen: Darf Popmusik dumm sein? "Von mir aus gerne", so Charlotte, "Popmusik darf alles."





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