Berlin (dpa) - Es gibt sie, die stillen Helden des Fußballs. Eine
deutsche Mannschaft, die Europa- und Vizeweltmeister wurde, ohne dass
Leo Kirch nach Übertragungsrechten gierte.
Von immensen Ablösesummen für die besten Spieler war auch noch nie
die Rede, und selbst die Fußball-Weltmeisterschaft wird wohl eher ein
leises Ereignis werden: An diesem Freitag startet in Seattle (US-
Bundesstaat Washington) der Robo-Cup 2001, das Ringen um die besten
Roboter-Kicker der Welt.
Dabei sein ist alles. Das gilt auch für die Roboter-Mannschaft der
Freien Universität Berlin und ihre Konstrukteure, zehn tüftelnde
Informatikstudenten. Schon zwei Mal haben sie es mit ihren
Konservendosen großen rollenden Fußball-Robotern bis ins Endspiel
geschafft. Auch diesmal haben sie die «FU-Fighters» hart trainiert
und erstmals mit Videokamera-Augen ausgerüstet. Denn der Mensch hat
beim Roboterfußball nur noch zwei Aufgaben. Er ist der Schiedsrichter
- und er heilt böse Verletzungen mit dem Lötkolben.
Der Robo-Cup ist der Beweis dafür, dass Fußball etwas mit Grips zu
tun haben kann. Denn die Weltmeisterschaft in Seattle ist nur ein
Vehikel, um Fortschritte in der Erforschung künstlicher Intelligenz
zu vergleichen. Roboter-Fußball wird gespielt, weil jedes
Forschungsinstitut der Erde die Regeln kennt. Eine Robo-Mannschaft
aber zum Kicken zu kriegen, ist schwierige Grundlagenforschung.
Einen Robo-Kicker über das Spielfeld flitzen zu lassen, ist eine
komplexe Aufgabe für Informatiker. Die computergesteuerten Kicker
dürfen - wie im wahren Fußballleben - nicht rempeln. Dafür sollen sie
den Gegner durch Antäuschen überlisten und den Ball blitzschnell ins
richtige Tor befördern. «Nicht die Umwelt soll an den Roboter
angepasst werden, sondern umgekehrt», erläutert der Berliner
Informatik-Professor Raul Rojas die Idee, die hinter den «FU-
Fighters» steht. In Wahrheit gehe es bei der Programmierung nicht um
Fußballfelder, sondern um Fabrikhallen und Büroräume. Hier soll die
komplizierte Software einmal eingesetzt werden, die mit den «FU-
Fighters» erprobt wird.
Die Gäste des Robo-Cup in Seattle aber kommen wegen des
Amüsements. Es hat etwas Erheiterndes, wenn Kicker wie die «FU-
Fighters» über Tischtennisplatten rasen, wenn sie Eigentore schießen
oder wegen grober Fouls die Rote Karte kassieren. So mancher
erfolgreiche Robo-Recke aber hat bei den Meisterschaften schon einen
Ehrentitel bekommen - ein «FU-Fighter» heißt «Ronaldo».
(Internet: Berliner Robo-Cup-Teilnehmer: http://www.fu-fighters.de)
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