Donnerstag, 18.03.2010

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08.05.2002
ARCHIV: Großstadt-Ballade
 

Beijing Bicycle

VON GISELA KRUSE

Note 1; 113 Min.; 3001 Kino

Die Story: Peking heute: Guei ist aus der Provinz in die Stadt gekommen, um Arbeit zu suchen, wie so viele andere junge Männer auch. Der 16-Jährige hat Glück, findet einen Job bei einem Kurierdienst: Mit einem Mountainbike schlägt er sich durchs Verkehrsgewühl, fährt Express-Briefe aus. Seinem Kumpel vom Land, bei dem er untergekommen ist, erzählt er abends von der unglaublichen neuen Welt, in die es ihn tagsüber verschlägt, den feinen Hotels zum Beispiel, wo in den Toiletten Musik ertönt. Sehnsuchtsvoll schauen die beiden jeden Abend zu einer traurigen jungen Frau im Fenster eines vornehmen Hauses – Inbegriff einer unerreichbaren Luxuswelt. Kurz bevor Guei sein Fahrrad abbezahlt hat, wird es ihm geklaut. Wenn er es nicht wiederfindet, ist er seinen Job los. Durch eine Markierung im Rahmen findet er das Rad tatsächlich wieder: Es gehört jetzt dem Schüler Jian, der es auf dem Flohmarkt gekauft hat, um endlich von der Fahrrad-Clique seiner Klasse akzeptiert zu werden. Vor allem aber, um nach der Schule die schöne Xiao nach Hause zu begleiten. Nach anfänglich heftigem Streit teilen die beiden schließlich das Fahrrad, morgens geht Guei damit seiner Arbeit nach, nachmittags schlägt Jian seine Fahrradkapriolen, markiert den tollen Hecht. Fast werden die ungleichen Teenies zu Freunden – doch der Geist der New Economy im sich rasant wandelnden Großstadt-Moloch ist für beide ein zu hartes Pflaster.


Die Schauspieler: Die jungen chinesischen Mimen Cui Lin (Guei) und Li Bin (Jian) wurden auf der Berlinale 2001 mit dem Preis für die besten Jungschauspieler ausgezeichnet. TV-Star Gao Yuanyuan (Xiao) gilt bei chinesischen Jugendlichen als „Königin der Werbung“. Die geheimnisvolle Schöne wird von China-Star Zhou Xun gespielt, vor kurzem als märchenhafte Meerjungfrau in „Suzhou River“ zu sehen.
Der Regisseur: Wang Xiaoshuai zeigt den Kampf derer, die ganz unten in Chinas New-Economy-Ellbogen-Gesellschaft ihren Platz suchen, Jugendliche, deren Werte von den Statussymbolen der westlichen Konsumgesellschaft geprägt sind. Sein realistisch-harter Stil erinnert nicht zufällig an die italienischen Filme des Neorealismus: Vittorio de Sicas „Fahrraddiebe“ von 1948 stand Pate bei dieser herben Großstadt-Ballade.


Fazit: Eine einfache Geschichte, in klaren, kraftvollen Bildern erzählt: großes Kino, das ungeahnte Einblicke gewährt in die urbane Lebenskraft des heutigen Peking.


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