Sonntag, 14.03.2010

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25.07.2003
ARCHIV: STONES-KONZERT
 

Mick schickt Hamburg zurück in die Steinzeit

TIMO HOFFMANN

Die gigantischste Oldie-Show der Welt: Die Rolling Stones begeisterten 40 000 Fans in der AOL Arena mit Hits und Feuerzungen

Schleck! Die bunte Zunge leckte am Donnerstagabend genüsslich ganz Hamburg ab. Von T-Shirts, Autos, Buttons, von Tattoos und schließlich auch von einer riesigen Videoleinwand in der AOL Arena. Ein Manga-Mädchen reitet dort auf dem Emblem der letzten bestehenden Rock'n'Roll-Dinosaurier der Welt: Knapp fünf Jahre nach ihrem letzten Konzert in Hamburg auf der Trabrennbahn schmettern die Rolling Stones vor mehr als 40000 Zuschauern rund 20 ihrer unsterblichen Hymnen.



Flammenzungen lodern aus dem Bühnendach, Raketen steigen in den Himmel und rotes Konfetti regnet aus vier Kanonen. Eine furiose Feier zu Ehren des größten Wunders der Popgeschichte: Ausgerechnet die vier berüchtigsten Nachteulen des Musikgeschäfts - man denke an Keith Richards berühmten Heroinschuss bei einer Gruppensexparty im Tournee-Jet oder Ron Woods dem Kokainkonsum geopferte Nasenscheidewand - sind nach mehr als 40 exzessiven Band-Jahren noch zu einer einjährigen Welttournee vor drei Millionen Fans fähig und bereit. Wieder einmal könnte es sich um das letzte Mal handeln.



Dass das um sechs Live-Musiker und drei Sänger verstärkte Quartett nach der Vorgruppe Pretenders mit dem 32 Jahre alten Song "Brown Sugar" (wurde ihnen kürzlich beim China-Auftritt verboten) loslegt, gibt bereits die Marschrichtung vor: Mit der aktuellen Best-Of-Platte "40 Licks" im Gepäck, konzentrieren Mick Jagger (59), Keith Richards (59), Ron Wood (56) und Charlie Watts (62) sich überwiegend auf Klassiker aus ihrer kreativen Blütezeit in den 60er und 70er Jahren.



Mit dem Bassisten Darryl Jones, den Saxofonisten Bobby Keys und Tim Rice, Keyboarder Chuck Leavell, dem Trompeter Kent Smith, dem Posaunisten Michael Davis sowie den Gast-Sängern Bernard Fowler, Blondie Chaplin und Lisa Fischer sind größtenteils altbekannte Stones-Unterstützer am Werke.



Zwar singt Jagger zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag in den schrägsten Posen zunächst auch jüngere Songs wie "You Got Me Rocking", "Start Me Up" (einst an Bill Gates für "Windows 95" verscherbelt) und "Don't Stop", widmet sich aber im weiteren Verlauf des Auftritts vor allem den unsterblichen Soundtracks der Band zum gesellschaftlichen Aufbruch in den späten sechziger Jahren: Songs wie "You Can't Always Get What You Want" vom legendären Album "Let It Bleed" von 1969 schmücken wie selbstverständlich das Programm. Ein Geschenk an das dankbare Auditorium. Ein Zeichen für eine realistische Einschätzung ihres Lebenswerkes und der Publikumserwartung. Aber auch ein Indiz dafür, dass die Stones ihren ungebrochenen Erfolg heute vor allem dem unermüdlichen Aufwärmen jugendlicher Heldentaten verdanken.



So mag ihr Konzert zu großen Teilen eine Oldie-Show sein, doch es ist die authentischste und gigantischste der Welt: Mit 250 000 Watt krachen ihre Klassiker aus den Boxen der von 150 Mitarbeitern aufgebauten und von 53 Trucks beförderten, 25 Meter hohen 350-Tonnen-Bühne.



Bliebe da noch das Hamburger Wetter: Schon die Vorhersagen warnten vor schweren Gewittern, Starkregen, Hagel und Sturmböen von bis zu 100 Kilometer pro Stunde. Passend zum Song "You Can't Always Get What You Want".


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