CHRISTIAN AUST
Im Gespräch mit dem »Meister«
plan7: Das Epos ist abgeschlossen. Wie fühlt sich der große Meister?
Tarantino: (lacht) Es ist verrückt, ich warte immer noch auf dieses befriedigende Gefühl. Im Moment habe ich noch nicht den Eindruck, dieser Film sei wirklich fertig. Alles in allem habe ich vier Jahre an diesem Projekt gearbeitet und muss jetzt erstmal Abstand gewinnen.
plan7: Warum haben Sie den Film überhaupt in zwei Hälften geteilt? Hat Sie im Schneideraum plötzlich der Mut verlassen?
Tarantino: Ich hatte wirklich ein Problem im Schneideraum. Es kam dieser Punkt, an dem ich mich entscheiden musste. Ich persönlich finde ja so einen vierstündigen Film toll und wäre ganz scharf darauf, mir so etwas anzusehen. Aber ich bin ein Film-Junkie. Nicht jeder Kinobesucher ist ein Freak wie ich. Das Schwierige war, die Hälften so zu teilen, dass aus beiden ein abendfüllender, unterhaltsamer Spielfilm wird, der in sich geschlossen ist.
plan7: Stilistisch unterscheidet sich Teil zwei doch sehr von seinem Vorgänger.
Tarantino: Meine beiden wichtigsten Einflüsse waren italienische Spaghetti-Western und asiatische Kung-Fu-Filme. Im ersten Teil ist der asiatische Aspekt wichtiger, in Teil zwei der Spaghetti-Western.
plan7: Mit dem Titel des Films nehmen Sie das Ende der Geschichte schon voraus ...
Tarantino: (Lacht) Ich kann einen Film nicht "Kill Bill" nennen, und am Ende überlebt er. Bill musste erledigt werden. Und gerade weil es jeder ahnt, kann man sich dann am Ende wunderbar darüber amüsieren. Denn Bill kommt ganz anders um, als Sie es sich vielleicht vorgestellt haben. Mein Ziel ist es, den Zuschauer über etwas lachen oder schmunzeln zu lassen, was eigentlich nicht zum Lachen ist. Im Laufe eines Films werden mein Publikum und ich zu Komplizen. Und das macht mir großen Spaß.
plan7: Wenn man den Film sieht, könnte man meinen, Sie seien ein wenig sentimental geworden.
Tarantino: Schreiben Sie das nicht! Das ist ja Rufmord (lacht). Natürlich ist der zweite Teil ein wenig sentimental. Schließlich geht es hier um eine große Liebesgeschichte. Es ist zwar eine völlig verrückte, mörderische Romanze, aber immer noch eine Liebesgeschichte zwischen Bill und "der Braut". Diese verrückte Liebe war der Ausgangspunkt für die gesamte Geschichte, und in Teil 2 erzähle ich davon. Die Motivation der Figuren wird jetzt deutlicher.
plan7: Natürlich arbeiten Sie längst an einem neuen Projekt: Sie haben gerade das Drehbuch für einen Zweiten-Weltkriegs-Film fertig gestellt. Wie wird denn Ihre spezielle Version dieses Genres aussehen?
Tarantino: Der Film heißt "Inglorious Bastards", und er wird nach D-Day in Frankreich spielen. Ich versuche, diesen spaßigen Unterton der Kriegsfilme aus den späten Sechzigern hinein zu bekommen. So in der Art von "Das dreckige Dutzend". Und dann ist da ja auch noch die Idee für dieses "Prequel" - die Vorgeschichte zu "Kill Bill". Ich habe so viele coole Charaktere und die ganze Mythologie erfunden. Es reizt mich sehr, da noch einmal einzusteigen.
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