STEPHANIE LAMPRECHT
Er »klopft« mit einem Gehstock gegen Käfige
Darf Tierarzt Dirk Schrader den Tierheimchef Wolfgang Poggendorf weiterhin öffentlich als "Lügner und Betrüger" bezeichnen? Mit dieser Frage beschäftigte sich gestern das Hamburger Landgericht. Der Veterinär hatte den Gerichtstermin als "großes Schießen" angekündigt, war mit großer Unterstützer-Schar angerückt. Poggendorf allerdings ließ sich von seinem Anwalt vertreten.
Überraschendes Eingeständnis zu Beginn: Der Tierheimleiter "klopft" mit seiner Gehhilfe gegen die Gitterstangen von Hundezwingern, räumt sein Anwalt Hartmut Reclam erstmals ein. Auch Tierpfleger würden mit "Sechskantschlüsseln" gegen die Käfige "klopfen".
Ein Tierheimbesucher über eine Beobachtung vor wenigen Tagen: "Herr Poggendorf schlug mindestens fünf Minuten lang mit einem Stock gegen eine Käfigtür. Der Hund ist schon bei den ersten Schlägen regelrecht explodiert." Das bestreitet der Anwalt: "Durch das Klopfen soll die Aufmerksamkeit der Tiere erregt werden, um sie in eine bestimmte Richtung zu locken."
Tierarzt Schrader hatte behauptet, Poggendorf mache Hunde absichtlich aggressiv, damit sie durch den Wesenstest fallen und eingeschläfert werden können. Diese Äußerungen hatte Poggendorf durch eine Einstweilige Verfügung untersagt. Ob Schraders Einspruch erfolgreich ist, wird das Gericht am 14. Oktober verkünden.
Das Publikum, zumeist Frauen um die fünfzig mit zornigem Blick, trägt Buttons ("Hunde in Hamburg find ich gut") und Spruch-T-Shirts ("Ich stehe zu meinem Kampfschmuser"). Vor absurden Vergleichen haben die Hundefans keine Scheu: "Wir müssen uns ja ab Januar registrieren lassen", sagt Hannelore Herrmann, Vorstand vom Hundelobby e.V und zeigt bedeutungsvoll auf ihren Unterarm - wo den Juden ihre KZ-Nummern eintätowiert wurden.
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