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07.11.2005
ARCHIV: AUF DEM KIEZ
 

Nazis stürmen Party-Tempel

THOMAS HIRSCHBIEGEL, ARNE PFLUGRAD, OLAF WUNDER

Rechtsradikale feiern »Geburtstag« / Autonome randalieren / Clubchefs schockiert

Neonazi-Party an der Reeperbahn, im größten Club-Tempel der Stadt: Mit einem fiesen Trick schafften es 300 Rechtsradikale am Sonnabend Räume im alten C&A-Gebäude am Nobistor zu mieten. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an - und schützte die Nazis vor Demonstranten.

Ein Stich ins Herz der Partywelt. "Ich will meinen 30. Geburstag feiern", hatte Neonazi Torben Klebe bei der Vermieterin versprochen. Nicola Tyszkiewicz vergibt die leer stehende Fläche im zweiten Stock zwischen "Weltbühne" und "Echochamber" im Auftrag der Endo-Klinik. Die Vermieterin: "Er wirkte höflich. Ich hätte nie im Leben geglaubt, dass das ein Nazi ist."

Um 18.30 Uhr sammeln sich die Neonazis, darunter viele Mecklenburger, am S-Bahnhof Hammerbrook, fahren auf den Kiez. Um 20 Uhr beginnt die Party. Bands lärmen, "Heil-Hitler"-Rufe schallen über die Straße. 500 Gegendemonstranten skandieren: "Nazis raus", werfen Steine und Flaschen, kippen ein Auto um. Die Polizei, offenbar von der Heftigkeit der Proteste überrascht, riegelt das Gebäude ab, fährt Wasserwerfer auf. Die Gäste, die in den drei Clubs feiern wollen, dürfen nicht passieren. "Ein Skandal", so Clubchef Wolf von Waldenfels. "Die Nazis dürfen feiern. Unsere Clubs aber bleiben dicht." Als die Vermieterin davon erfährt, fordert sie die Polizei auf, die Nazis "rauszuschmeißen". "Doch die Beamten haben nicht reagiert, ich bin erschüttert", so Tyszkiewicz. Polizeisprecher Andreas Schöpflin entgegnet: "Die Rechten haben keine Straftaten begangen. Wir hatten keine Handhabe, weil sie einen gültigen Mietvertrag hatten." Erst gegen 1 Uhr endet die Nazi-Party, die "Gäste" werden mit HVV-Bussen fortgeschafft. Ohne Polizeieskorte. Erneut fliegen Steine und Flaschen, Ein Polizist und ein Neonazi werden verletzt, zwei Autonome festgenommen. Zurück bleibt ein verwüsteter Partyraum - und fassungslose Kiez-Besucher.

Info:
TORBEN KLEBE

Der 29-Jährige ist einer der führenden Köpfe der Neonazi-Szene. Klebe war Chef des im Jahr 2000 verbotenen Hamburger Sturms - einer Neonazi-Organisation mit gleichnamigem Propagandablatt. Er zog auch die Fäden beim Neonazi-Musiknetzwerk Blood & Honour (B&H) - das Konzerte veranstaltete und Rockmusik mit gewaltverherrlichenden Texten verbreitete. 2000 wurde "B&H" zwar verboten - doch Konzerte und Musikvertrieb existieren illegal weiter. Bereits als 14-Jähriger war Klebe zur Neonazi-Szene gestoßen, gehörte anfangs zur Ordnertruppe des berüchtigten Thomas Wulff. 1998 wurde Klebe wegen des Vertriebs von verbotener Neonazi-Musik verurteilt.

Ressort: HH Hamburg


 

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