SANDRA SCHÄFER
Verwahrloste Kinder in Wilhelmsburg Jugendämter wussten nichts
Die Kinderbetten urin- und kotverschmiert, die Tür- und Fenstergriffe abgeschraubt und die ganze Wohnung ein ekliger Müllhaufen - so fand die Polizei in Wilhelmsburg die beiden Kinder Brian (2) und Bianca (4). Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mutter Jacqueline K. (22) wegen Verletzung der Fürsorgepflicht. Die Kinder sind in einem Kinderschutzhaus gut aufgehoben, die Mutter wird sie erst einmal nicht zurückbekommen. Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram: "Wir suchen jetzt eine Pflegefamilie für die Kinder."
Obwohl die Wohnung meterhoch voller Müll war und Küche und Bad übelst verdreckt und nicht benutzbar, hat die Mutter Jacqueline K. nach außen hin offenbar den Schein noch wahren können. Töchterchen Bianca ging seit August auf die Vorschule der Gesamtschule Kirchdorf. Dort war sie immer in äußerlich gutem Zustand und pünktlich erschienen.
Das Kind war der Schulleitung allerdings sofort als sprachlich und im Denken und Wahrnehmen stark zurückgeblieben aufgefallen. Der Mutter wurde empfohlen, eine Sprachheiltherapie mit der Tochter zu machen, und sie war bereits mehrfach mit ihr beim Logopäden.
Birgit Schnieber-Jastram steht erneut im Zentrum der Kritik: Ein halbes Jahr nach dem tragischen Tod der verhungerten kleinen Jessica habe sich offensichtlich nichts geändert, so die Opposition. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Rathaus betonte Schnieber-Jastram: "Die Kindeswohlgefährdung wurde diesmal vom Jugendamt sofort erkannt." Den Jugendämtern sei aber zuvor nichts über die Mutter und ihre Kinder bekannt gewesen sei.
Es gab zwar Amtskontakte, aber nur in Zusammenhang mit den Geburten der Kinder. "Daher hätte niemand das Geschehene vorhersehen können."
"Dies ist der zweite Fall innerhalb von zehn Wochen", sagt Harburgs Jugendamtsleiter Holger Stuhlmann. Mittlerweile hat sein Amt Gespräche mit den Eltern von Jacqueline K. aufgenommen. Jacquelines Mutter soll mehrfach im Gefängnis gesessen haben. Sie zog mit der Tochter fast jedes Jahr innerhalb Hamburgs um, hatte zehn Wohnorte in zehn Jahren. "Sobald das Jugendamt helfen wollte, waren sie schon wieder weg", so ein Mitarbeiter.
Ressort: HH Hamburg
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