THOMAS HIRSCHBIEGEL
US-Abgeordnete wollen Prostitution bei uns verbieten - Sie sorgen sich um das Seelenheil ihrer WM-Touristen - Huren wehren sich gegen Moralapostel aus Amerika
Ganz Deutschland ein einziger Sündenpfuhl und Hamburg die Hauptstadt des Lasters? Sittenstrenge US-Abgeordnete kritisieren scharf, dass Prostitution in Deutschland legal ist. Sie fürchten, dass brave US-Boys bei der WM in Hamburg sich ausgiebig dem Laster hingeben könnten.
Anlass der Kritik war der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in den USA. An ihre Adresse gewandt, sagte der republikanische Abgeordnete Christopher Smith aus New Jersey: "Die Kanzlerin muss ihre Stimme gegen Ausbeutung von Frauen im Namen des Sports erheben." Der Sportartikelverkäufer und Vater von vier Kindern befürchtet eine "Explosion" der Prostitution während der WM.
Smith meint, dass es durch die hier erlaubte Prostitution zu "legalisierten Vergewaltigungen" in Bordellen kommt. Er befürchtet, dass massenhaft Frauen vorallem in Osteuropa "rekrutiert" würden, die dann in Deutschland anschaffen müssten.
Sein demokratischer Kollege Donald Payne teilt seine Befürchtungen: "Wir sollten als Verbündete mehr Druck auf die deutsche Regierung ausüben."
Knapp 2400 Frauen gehen in Hamburg der Prostitution nach. Laut Polizei kommt die Hälfte davon aus dem Ausland. Die meisten reisen legal aus EU-Ländern ein, etwa 300 sind illegal in der Stadt.
Polizeisprecherin Ulrike Sweden: "Unsere Erfahrungen sprechen eher dagegen, dass es während der WM zu gravierenden Zunahmen bei der Prostitution kommen wird. Trotzdem werden wir vor allem während der WM offensiv im Milieu präsent sein."
Laut Sweden stagniere die Zahl der Fälle von Zwangprostitution seit Jahren, trotzdem "sind alle Prostituierte potenzielle Opfer von Menschenhandel und Zuhälterei". Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts wissen aber 95 Prozent aller betroffenen ausländischen Frauen, dass sie hier der Prostitution nachgehen sollen.
Kein Verständnis für die Moral-Offensive der Amerikaner während der WM haben Hamburger Prostituierte. "Ich mache den Job, weil ich Spaß am Sex habe und damit auch noch Geld verdiene. Niemand muss mich dazu zwingen", sagt Sweta (22) aus dem Puff "Amsinckstraße 44".
Der dortige Appartmenthausbetreiber Andreas freut sich auf Gäste aus Amerika und will ihnen zeigen, dass bei ihm alles in Ordnung ist. Jeder der Männer aus den Vereinigten Staaten bekommt in dem Haus während der WM ein kleines Geschenk oder sogar Rabatt. Dafür genügt die Vorlage des US-Passes.
Dina (v. l.), Sarah, Alicia und Sweta vom "Amsinckstraße 44" (Klostertor) freuen sich auf viele Gäste aus Amerika. Während der WM gibt es dort für alle US-Männer Rabatt oder eine kleine Überraschung
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