JÖRG BRANDES
Gute-Laune-Film um amouröse Irrungen und Wirrungen während eines Schüleraustauschs
Mit dem ersten echten Verliebtsein ist das so eine Sache. Es erzeugt nicht nur positive Gefühle. Generationen von Teenagern haben auch die Unsicherheiten durchlitten, die damit verbunden sind. Dem in Liebesdingen unerfahrenen Henrik (François Göske), der sich in seine reizende Schulkameradin Valerie (Paula Schramm) verguckt, geht es da nicht anders. Wie gerne würde er sie auf die Oberstufenparty einladen! Doch als er samt seinem Stapel Flyer mit ihr zusammenrasselt, kriegt er mal wieder kein vernünftiges Wort heraus. Schon bald bekommt er eine neue Gelegenheit zur verbalen Kontaktaufnahme. Aufgrund seiner fremdsprachlichen Unbedarftheit outet sich Henrik dabei in einem Akt vorgetäuschter Coolness als Frankreichgegner. Böser Fauxpas! Valerie ist Halbfranzösin und Mitorganisatorin eines deutsch-französischen Schüleraustauschs. Weil er seine Landungschancen schwinden sieht, relativiert Henrik rasch seine Äußerungen, schaltet um auf frankophil, gibt vor, Jules-Verne-Romane im Original zu lesen und ist sogar zum Äußersten bereit: Er meldet sich an zur Fahrt ins ungeliebte Land ...
Dass Christian Ditter selbst einmal an einem entsprechenden Austauschprogramm teilnahm, kommt seiner Abschlussarbeit an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film zugute. Abgesehen vom unnötig dick aufgetragenen Ende wirkt das ausgelassene Schulfahrt-Treiben mit seinen wilden Partys, nächtlichen Ausflügen und sich anbahnenden Techtelmechteln sehr lebensecht. Amüsant ist auch, wie Henrik die Tücken der fremden Kultur zu schaffen machen. Einfach köstlich, wenn er bei seiner Gastfamilie wegen eines Missverständnisses sein Frühstücksmüsli mit Rotwein aufschwemmt oder mit dem nach französischer Art festgesteckten Deckbett kämpft. Überhaupt lässt der Regisseur für das Timing seiner Gags ein wesentlich besseres Gefühl erkennen als seine Protagonisten bei ihren Beziehungsanbahnungsversuchen. Doch bei allem Humor gibt er die beiden Liebesnöter nie der Lächerlichkeit preis.
Zudem erweist sich Hauptdarsteller François Göske ("Bergkristall", "Das fliegende Klassenzimmer") als Glücksgriff. Der Jungschauspieler beweist nicht nur komisches Talent. Er schafft es auch locker, Henriks wechselnde Gefühlslagen zu vermitteln: etwa seine Eifersucht, als ein schon etwas erfahrenerer Austauschler die Angeschmachtete umgarnt, oder seine Irritation über die unmissverständlichen Avancen einer jungen Französin. Und weil auch Paula Schramm in ihrem Spielfilmdebüt durch Natürlichkeit bezaubert, geben Henrik und Valerie ein wirklich süßes Paar in spe ab.
Fazit: Erfreulich klischeearme Jugendkomödie. Nicht zuletzt dank des Verzichts auf Fäkalhumor auch für Ältere goutierbar.
Info:
93 Min.; CinemaxX Harburg, UCI Mundsburg + Othmarschen + Wandsbek
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