Dortmund/Karlsruhe - Bei den Ermittlungen zu den mysteriösen Kofferbomben haben die Fahnder ein weißes Pulver entdeckt, mit dem die Täter möglicherweise einen Giftanschlag ...
Dortmund/Karlsruhe - Bei den Ermittlungen zu den mysteriösen Kofferbomben haben die Fahnder ein weißes Pulver entdeckt, mit dem die Täter möglicherweise einen Giftanschlag vortäuschen wollten. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte am Donnerstag Medienberichte, wonach eine Tüte mit Speisestärke entdeckt wurde.
Die Bundesanwaltschaft gebe aber «keine Bewertung» des Fundes ab. Sie werde sich nicht an Spekulationen zum Zweck des Pulvers beteiligen. Die kriminaltechnische Auswertung der in Dortmund und Koblenz aufgetauchten Koffer und ihres Inhalts sei noch nicht abgeschlossen.
Unterdessen entbrannte eine politische Debatte zur Videokontrolle von Bahnhöfen. Unionsfraktions-Vize Wolfgang Bosbach (CDU) sprach sich für mehr Videoüberwachung auf Bahnhöfen aus, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. SPD, FDP und Grüne wiesen die Forderung zurück.
Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatten Unbekannte weltweit Päckchen mit dem Milzbranderreger Anthrax verschickt, der in weißer Pulverform vorkommt. «Focus online» hatte am Mittwoch einen nicht genannten Polizei-Ermittler mit der Vermutung zitiert, der oder die Täter hätten durch den Dortmunder Spreng-Koffer einen Gift-Anschlag vortäuschen wollen. Nach einer Explosion hätte sich das Stärkepulver weit verteilt, hieß es in dem «Focus online»- Bericht weiter.
Bei der Hotline der Polizei zu dem Bombenfund von Anfang der Woche in einem Regionalexpress in Nordrhein-Westfalen gingen bislang 47 Hinweise ein. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen der in zwei Regionalzügen in Dortmund und Koblenz gefundenen Sprengsätze gegen unbekannt wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds. Unklar ist aber nach wie vor, ob ein Terroranschlag oder eine Erpressung der Bahn geplant war, oder ob es sich um die Tat eines verwirrten Menschen handelt.
«Focus online» hatte weiter gemeldet, die Fahnder vermuteten, dass die Sprengsätze deshalb nicht explodierten, weil in den verwendeten Gasflaschen zu viel Gas gewesen sei. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gab zu diesen Spekulationen keinen Kommentar ab. Andere Ermittler verwiesen bei Anfragen stets auf Karlsruhe.
Die beiden Sprengsätze waren am Montag in Dortmund und Koblenz aufgetaucht. Ein Koffer wurde in einem Regionalzug zwischen Aachen und Hamm gefunden und am Dortmunder Hauptbahnhof abgegeben. Das zweite, erst am Dienstag im Bahnhof von Koblenz geöffnete Gepäckstück, hatten Unbekannte im Regionalexpress zwischen Mönchengladbach und Koblenz abgestellt. Beide Zuglinien führen nach Auskunft der Deutschen Bahn über Köln. Nach Angaben eines Bahnsprechers halten die Züge an den Bahnhöfen Ehrenfeld, Köln- Hauptbahnhof und Messe/Deutz. Medienspekulationen, dass die Polizei deshalb im Kölner Raum verstärkt ermittle, wurden am Donnerstag nicht bestätigt.
In Koblenz sucht die Polizei mit Flugblättern und Plakaten weiter nach Zeugen. Bei der Hotline der Ermittler in Dortmund gingen bislang 47 Hinweise ein. Nähere Angaben zur Qualität der Hinweise wurden nicht gemacht. Die Fahnder suchen noch immer nach Fahrgästen, die den Zug zwischen Aachen und Hamm am Montag zwischen 4.40 und 14.40 Uhr genutzt haben. Unklar blieb, wann und wo der Bombenkoffer in den Zug gestellt wurde.
Der CDU-Politiker Bosbach sagte dem Sender N24 am Donnerstag: «Das Wichtigste ist, dass wir modernste Technik einsetzen und genügend Personal zur Gefahrenabwehr zur Verfügung stellen.» Moderne Videotechnik, insbesondere auf den Bahnhöfen, habe auch präventive Wirkung, «dient also nicht nur der Aufklärung von Straftaten, sondern auch deren Verhinderung». Zudem forderte er eine stärkere Präsenz von Sicherheitskräften.
Auch der CSU-Innenexperte Stephan Mayer sprach sich in der «Passauer Neuen Presse» für Videoüberwachungen in Zügen aus. «Was in Madrid und London geschehen ist, kann auch in München oder Berlin passieren», sagte er der Zeitung unter Hinweis auf die Terroranschläge in den beiden europäischen Metropolen.
Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, dagegen sagte dem «Reutlinger General-Anzeiger» (Freitagsausgabe): «Ich halte es für höchst fragwürdig, jetzt eine übereilte und überhitzte Sicherheitsdebatte anzuzetteln.» Auch der Fund zweiter Bombenkoffer könne kein Anlass dafür sein. «Wir sollten auf dem Teppich bleiben.» Alle größeren deutschen Bahnhöfe seien schon jetzt bestens überwacht. Grünen-Innenexperte Hans-Christian Ströbele argumentierte, es sei «längst widerlegt, dass mit flächendeckender Video-Überwachung Gefahren beseitigt werden können». FDP und PDS äußerten sich ähnlich.
Ressort: vm
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