THOMAS HIRSCHBIEGEL
90er Jahre Goldrausch auf dem Kiez / Und die Gewalt grassiert
Porsche, Ferrari, S-Klasse-Mercedes. Jedes Jahr ein neues Auto - die Geschäfte liefen prima für Quazim "Felix" Osmani Anfang der 90er Jahre. Weil er mit einer Deutschen Kinder hatte, musste der ehrgeizige Kosovo-Albaner auch nicht fürchten, ausgewiesen zu werden.
Doch immer öfter fragten sich deutsche Kiez-Größen: Wie macht der Osmani das? Allein durch seine Glücksspiel-Einnahmen wohl kaum. Hamburgs Kripo bekam Hinweise, dass Osmani im großen Stil Medikamente ins Kriegsgebiet nach Jugoslawien verschiebt und damit Millionengewinne einstreicht - bewiesen wurde nichts. Doch das Vermögen von Felix wuchs, und immer mehr albanische Landsleute hörten vom Glück ihres Landsmanns im fernen Hamburg. Dutzende kamen auf den Kiez, fast alle waren bewaffnet. Kaum ein Monat ohne Kiez-Mord. Deutsche Zuhälter zogen sich zurück, überließen den Albanern das Feld.
Und Felix? Der hatte mit diesen Ballereien nichts zu tun, er wurde aber so etwas wie oberster "Friedensrichter" für seine Landsleute. Angeblich beim Spiel hatte er das Lokal "Corner 57" an der Wandsbeker Chaussee "gewonnen", hielt dort Hof. Ein Kellner: "Bittsteller bettelten darum, vorgelassen zu werden. Wer es schaffte, wurde zunächst durchsucht. Viele knieten dann nieder und küssten Felix die Hand." Osmanis Wort hatte Gewicht in der albanischen Gemeinde.
Darauf angesprochen, sagte Felix Osmani der MOPO damals: "Ich bin kein Idol. Die wissen ja nicht, was dahintersteckt. Die viele Arbeit. Die sehen nur das schöne Auto, denken, der Felix hat es geschafft."
Dann kam der 4. August 1993. Um 2.04 Uhr wird der albanische Zocker Cazim "Bari" Berisha (34) in einem Hinterhof an der Talstraße mit fünf Kugeln aus einem Smith&Wesson-Revolver hingerichtet. Die Kripo ermittelt zwei Täter - Mafia-Killer, die aus Sizilien eingeflogen waren, um einer albanischen Milieu-Größe einen Gefallen zu tun.
Diese Größe war Fassli G. (30), Schwager und engster Vertrauter von Felix Osmani. Berisha musste sterben, weil er Fassli G. beleidigt hatte, angeblich ging es um 30000 Euro Schulden. Die beiden Killer bekamen "lebenslänglich", Fassli G. kassierte zwölf Jahre, ein schwerer Schlag auch für Felix Osmani. Der hatte keinen Prozesstag versäumt, saß bangend im Zuschauerraum. Zur MOPO sagte Osmani damals: "Das wird hochgejubelt, Ich jedenfalls kenn den Sachverhalt nur aus der Zeitung."
Plötzlich aber begann sich der erfolgreiche Kaufmann Gedanken über seine Sicherheit zu machen: Am 15. Mai 1994 verlässt Felix das Lokal "Roma" am Hofweg, greift sich in den Gürtel, dort steckt ein Smith&Wesson-Revolver. Auch sein Leibwächter, der massige Jeton D., hat eine scharfe Waffe dabei. Das Kripo nimmt beide fest. Felix sagt: "Eine Dummheit, hatte zu tun mit der Situation im Jugoslawien-Krieg."
Die letzte Dummheit, die Felix beging. Die 10000 Euro Strafe für den Waffenbesitz zahlt er mit einem Lächeln.
Info:
CLAN-MITGLIEDER
Quazim "Felix" Osmani (45)
ist der älteste von vier Brüdern. Er kam 1979 als erster des Clans nach Hamburg, machte bald seine erste Million und holte später den Vater und seine Brüder nach. Aktuell hält er sich in Kroatien auf und kümmert sich dort um die Millionen-Investments der Familie.
Burim Osmani (42), Vater dreier Kinder, sitzt seit dem
10. Mai in Untersuchungshaft. Der Vorwurf Beihilfe zum Betrug. Der Rissener Kaufmann ist nach Kiez-Legende Willi Bartels der größte Immobilienbesitzer auf dem Kiez, wollte dem FC St. Pauli sogar ein neues Millerntorstadion bauen.
Bashkim Osmani (40) ist der Gastro- und Sportexperte des Clans. Er ist Chef des "Pupasch" an den Landungsbrücken , sein Unternehmen "Sport-Line" vermittelt Bundesligaspieler. Der Bewohner eines fast 300 Quadratmeter großen Penthouses in der HafenCity gilt als temperamentvoll und aufbrausend.
Bekim Osmani (36) hat im legendären "Café Keese" das Sagen, in dem seit Januar der "Quatsch Comedy Club" gastiert. Er ist Boxfan, zeigt sich gern mit dem "Tiger" Dariusz Michalczewski oder mit dem Schwergewichter Luan Krasniqi.
Osmani - ein Name, der lange nur Insidern geläufig war. Seit Wochen beherrscht er die Schlagzeilen. Geheimdienstler und Politiker fragen sich Wie konnte dieser Familienclan aus dem bitterarmen Kosovo in Hamburg so mächtig werden? Wie gelang es dem Clan, Immobilien im Wert von hunderten Millionen Euro anzuhäufen?
Lesen Sie morgen Millionen-Deals mit Immobilien und Kneipen
Zitat:
"Albaner knieten nieder, küssten Felix Osmani die Hand"
Kellner aus dem "Corner 57"
Ressort: HH Hamburg
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