ERIK TRÜMPLER
So brutal war der Sklavenhändler
Die Bronze-Plastik von Heinrich Carl von Schimmelmann (1724-1782) erregt weiter die Gemüter. Am 10. September hatten Kultursenatorin Karin von Welck und Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs eine Büste des Geschäftsmanns am Wandsbeker Marktplatz eingeweiht. Zu Lebzeiten war Schimmelmann nicht nur Förderer Wandsbeks, sondern ein brutaler Sklavenhändler.
Der umtriebige Geschäftsmann kannte kein Erbarmen. Mehr als 1000 Sklaven schufteten unter grausamsten Bedingungen auf seinen Plantagen. Wer auf dem Feld nicht schnell genug war, bekam die Peitsche zu spüren. Das Ziel: maximale Gewinne. Ob durch Krankheit oder Überlastung - viele zollten der Folter Tribut. Ständig musste neu importiert und gekauft werden.
Schimmelmann war nicht irgendein Sklavenhalter. Er verfügte über mehr Sklaven als irgendein anderer dänischer Plantagenbesitzer. International gehörte er zu den bedeutendsten Nutznießern des wahnwitzigen Handels. Seine Leibeigenen brandmarkte er mit einem in ein Herz gefasstes "S" - es prangte auf der Brust, der Schulter oder dem Oberschenkel. Wurden die Sklaven weiterverkauft, folgte das nächste Brandzeichen. Schmerzen? Die Weißen kümmerte es nicht. Man beruhigte sich damit, dass die Sklaven eine lederartige und unempfindliche Haut hätten. Eine Flucht von der Plantage wurde hart bestraft.
Nicht nur aus ökonomischen Gründen holte man Schwarze auch nach Europa, sondern auch aus reinem Luxus. Man wollte Eindruck schinden und sein Prestige heben. Schimmelmann gefiel es, mit seinem Reichtum zu prahlen. "Den großen Mann spielen, von den eigenen Leuten und von den Hamburgern bewundert werden, das liebte Schimmelmann", schreibt Christian Degn in "Die Schimmelmanns im atlantischen Dreieckshandel."
Den berühmten Wandsbeker Dichter Matthias Claudius erreichten die Grausamkeiten aus den karibischen Besitzständen Schimmelmanns. Claudius fasste seine Trauer in dem Gedicht "Der Schwarze in der Zuckerplantage" zusammen:
"WEIT VON MEINEM VATERLANDE / MUSS ICH HIER VERSCHMACHTEN UND VERGEHN / OHNE TROST IN MÜH UND SCHANDE / OHHH DIE WEISSEN MÄNNER! KLUG UND SCHÖN!
UND ICH HAB DEN MÄNNERN OHN ERBARMEN / NICHTS GETAN / DU IM HIMMEL! / HILF MIR ARMEN / SCHWARZEN MANN!"
Als Händler verschiffte Schimmelmann Sklaven von Afrika in die Karibik. Nicht selten lag die Sterblichkeitsrate auf Sklavenschiffen bei über 30 Prozent.
Und was tat die Stadt gegen den Sklavenhandel? Nichts. Denn nicht nur Schimmelmanns Aufstieg war eng mit der unmenschlichen Ausbeutung verbunden.
Ressort: HH Hamburg
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