WIEBKE STREHLOW
- 2000 Hamburger demonstrieren gegen NPD-Aufmarsch - Barrikaden brennen - der Verkehr bricht zusammen
Steine flogen, Müllcontainer lagen umgestürzt auf der Straße, und Barrikaden brannten. Bei einer Demonstration gegen einen NPD-Aufmarsch am Sonnabend in Wandsbek kam es zu heftigen Krawallen. Rund 2000 Hamburger protestierten gegen die braunen Hass-Parolen. Die Auswirkungen bekamen Tausende Hamburger zu spüren. Denn der Verkehr lag komplett lahm. Das Protokoll des Demo-Tages:
10.30 Uhr: Nach einer kurzen Kundgebung marschieren rund 2000 Demonstranten friedlich vom Gänsemarkt über Jungfernstieg und Neuer Wall bis zum Ballindamm. Der Veranstalter, das "Hamburger Bündnis gegen Rechts", ruft dazu auf, im Anschluss nach Wandsbek zum NPD-Aufmarsch zu fahren.
11.15 Uhr: Die ersten Neonazis treffen an der Kreuzung Wandsbeker Chaussee / Hammer Steindamm ein. Dutzende Journalisten (darunter viele aus dem Ausland) sind ebenfalls vor Ort.
11.45 Uhr: Hunderte Demonstranten, darunter viele Eltern, Jugendliche, Studenten und Kinder mit "Nazis raus"-Schildern versammeln sich rund hundert Meter von den Neonazis entfernt an der Wandsbeker Chaussee. Zeitgleich trifft Thomas "Steiner" Wulff, persönlicher Referent des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt, bei seinen "Kameraden" ein.
12.15 Uhr: Polizisten warten am U-Bahnhof Wandsbeker Chaussee, um eine Gruppe von Neonazis zu empfangen, die aus Bergedorf kommen sollen. Mehrere Glatzköpfe verlassen die Bahn. Die Polizei eskortiert sie. Als die Gruppe rund 20 Meter von den Faschos entfernt ist, holen die Protestler Banner unter ihren Jacken hervor, brüllen: "Wir sind Skinheads, was seid ihr? Nazis raus!" Die Beamten sind völlig verdattert. Sie hatten nicht erkannt, dass es sich nicht um Neonazis, sondern um linke Skinheads der Gruppe "Rash" handelt.
12.45 Uhr: Immer mehr Neonazis treffen ein - zum Schluss sollen es nach Polizeiangaben 227 sein. Sie brüllen: "Frei, sozial und national!" Thomas Wulff sagt über Lautsprecher: "Die Polizei sollte sich mehr um die Krawalltruppen kümmern, als unseren Aufzug zu drangsalieren."
13 Uhr: Es kommt zu ersten Krawallen zwischen Linken und der Polizei. Barrikaden brennen an der Hasselbrookstraße, Steine und Flaschen fliegen. Der "Penny"-Markt an der Wandsbeker Chaussee wird geplündert.
13.15 Uhr: Die Faschos marschieren unter dem Motto "Nationale Arbeitsplätze statt internationale Profite" in Richtung Wandsbeker Markt. Darunter auch NPD-Landesvorsitzende Anja Zysk, der Christian-Worch-Zögling Alexander Hohensee und Jörn Lemke, NPD-Kreisvorsitzender Ostholstein.
13.20 Uhr: Wasserwerfer kommen an der Kreuzung Ritterstraße / Hasselbrookstraße und am Bahnhof Hasselbrook zum Einsatz.
13.55 Uhr: Barrikaden werden am Peterskampweg errichtet.
14.10 Uhr: Krawalle im Jacobipark. Die Polizei geht mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen linke Demonstranten vor.
14.30 Uhr: Straßenschlacht an der Kreuzung Kantstraße / Wandsbeker Chaussee.
15 Uhr: Der Neonaziaufmarsch wird von der Polizei gestoppt, da sich mehrere NPD-Mitglieder vermummt hatten.
15.10 bis 17.10 Uhr: Die Wandsbeker Chaussee wird Meter für Meter von der Polizei geräumt.
17.15 Uhr: An der Kreuzung Ritterstraße / Wandsbeker Chaussee erneuter Tumult unter den Linken. Insgesamt werden 28 Protestler festgenommen, rund 1700 Polizisten waren im Einsatz. Den gesamten Tag lang kam es rund um Wandsbek und in der Innenstadt zu Staus. Die Bahn-Haltestellen Ritterstraße, Wandsbek Markt und Wandsbeker Chaussee waren zeitweise gesperrt.
Auch in Nürnberg wurde gegen Neonazis demonstriert. Rund 5000 Protestler gingen auf die Straße. In Chemnitz kamen knapp 1000 Menschen zum Protest gegen Rechts zusammen.
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