SIMONE PAULS
Studenten rissen Büste eines Ex-Rektors vom Sockel: »Er war Nazi«
Sie legten dem Kopf ein Seil um den Hals, zogen dann mit aller Kraft. Eine Gruppe von Studenten hat gestern in der Universität Hamburg die Büste eines ehemaligen Universitätsrektors von ihrem Sockel gerissen. Die Studenten wollen ihre Aktion als Zeichen gegen Militarismus verstanden wissen.
Schon seit Jahrzehnten hat der bronzene Kopf seinen Platz im Hauptgebäude an der Edmund-Siemers-Allee. Er zeigt Albert Wigand, von 1931 bis Dezember 1932 Rektor der Universität Hamburg. Für die protestierenden Studenten war er ein Nazi. "Dass dieses Denkmal da steht, ist eine Schande für die Uni", sagten sie.
Punkt 12 Uhr erschienen im Hauptgebäude 15 junge Leute, sie waren weiß gekleidet und trugen Masken. Sie rissen die Büste vom Sockel, banden den Kopf an der Tür zum Büro der Universitätspräsidentin Monika Auweter-Kurtz fest. Die Forderung: Der Kopf muss eingeschmolzen werden. "Diese Büste ist ein Nazi-Symbol und einer Universität nicht würdig", so einer der Studenten. Albert Wigand hatte einen Lehrstuhl für "Wehrwissenschaft zur Weckung und Förderung der kriegerischen Instinkte" gefordert.
An der Hochschule war man über die Aktion nicht begeistert. Die Uni-Präsidentin verwies darauf, dass die Büste gegenüber dem Abbild Emil Wolffs platziert wurde - dem Gegner Wigands und demokratischen Rektor nach dem Krieg. Außerdem seien Hörsäle nach Nazi-Opfern benannt worden. Den Aktivisten sei es nur darum gegangen, öffentliches Aufsehen zu erregen.
Was mit der kaputten Büste passiert, ist unklar. Die Studentenvertretung AStA distanzierte sich von der Aktion.
Ressort: HH Hamburg
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