SIMONE PAULS
Kritik an neuen Fahndungsmethoden der Ermittler
Das stinkt zum Himmel: Der Staat will verdächtige Anti-G8-Aktivisten nun per Geruchsprobe dingfest machen - und schickt Schnüffelhunde los. Bei der Razzia in Hamburg vor knapp zwei Wochen mussten mindestens zwei Hamburger der Polizei ihre Duftnoten geben. Neu ist die Methode aber nicht: Schon die Stasi kassierte die so genannte "odrologische Spur" von DDR-Bürgern ein.
Einer der Betroffenen ist Dr. Fritz Storim (68). Die Polizei verdächtigt ihn, an den Planungen von Brandanschlägen auf Autos beteiligt gewesen zu sein. Der Physiker und mindestens ein weiterer Beschuldigter mussten zur Duftprobe antreten. Für Andreas Beuth, Anwalt von Storim, "ein schwerer Eingriff in die Grundrechte meines Mandanten".
Wie eine Geruchsentnahme funktioniert? Der Verdächtige muss ein etwa 25 Zentimeter langes Metallröhrchen drücken. So legen sich kleinste Körperteilchen auf den Stab, hauptsächlich Hautschuppen. Bei der Zersetzung durch Bakterien entstehen Gase, die Hunde erschnuppern können. Wenn vier Schnüffler bei dem Stäbchen und dem Beweismittel (zum Beispiel Kleidung) den gleichen Geruch feststellen, gilt dies als Treffer.
Das Vorgehen stößt auf Verwunderung. "Diese Methode ist mir und meinen Kollegen bislang unbekannt", sagt Anwalt Beuth. Er nennt sie "unverhältnismäßig" - zumal es nur um Sachbeschädigung geht, die aufgeklärt werden sollen. Er will die Rechtswidrigkeit der Maßnahme notfalls gerichtlich feststellen lassen.
Bislang werden Verdächtige nur in Nordrhein-Westfalen zur Duftprobe gebeten, meist wegen Graffiti-Straftaten. Nach Informationen der "taz" sind speziell abgerichtete Schnüffelhunde aus dem Ruhrpott zu den G8-Ermittlungen nach Hamburg gekarrt worden.
Die Generalbundesanwaltschaft, verantwortlich für die jüngsten G8-Razzien, will sich nicht äußern. Nur so viel: "Wir bestätigen, dass es bei den Einsätzen Geruchsentnahmen gegeben hat", so ein Sprecher. Zu DDR-Zeiten ließ auch die Stasi von ihren Gegnern heimlich Duftproben nehmen und in Einmachgläsern konservieren - wie zu sehen in dem Kinodrama "Das Leben der Anderen".
Auch der justizpolitische Sprecher der GAL fühlt sich an die Stasi erinnert. "Die Ermittlungsbehörden sollten sich fragen, ob es für die systematische Erfassung von Bürgern keine Grenzen gibt", so Till Steffen. Durch Hunde erschnüffelte Beweise - zählt das vor Gericht überhaupt? Sprecherin Sabine Westfalen: "Ob das den Richtern ausreicht, muss man abwarten."
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