Freitag, 18.12.2009

| | Impressum | Kontakt | Hilfe




17.07.2007
ARCHIV: Musik
 

Bezaubernde Einfachheit: Norah Jones in München

München - Silberne und goldene Pappsterne deuten einen künstlichen Himmel an, im Hintergrund hängen rote Stoffbahnen - an diesem Montagabend herrscht in der Münchner Olympiahalle ...

Norah Jones

München - Silberne und goldene Pappsterne deuten einen künstlichen Himmel an, im Hintergrund hängen rote Stoffbahnen - an diesem Montagabend herrscht in der Münchner Olympiahalle eine Atmosphäre wie bei einem Weihnachtskonzert in der Schulaula.

Ein Eindruck, der auch bleibt, als Norah Jones, Star des Abends und eine der erfolgreichsten Sängerinnen der vergangenen Jahre, auf die Bühne kommt. Als wolle sie nicht auffallen, schleicht die zierliche New Yorkerin in einem Sommerkleid herein. Ein schüchternes Lächeln ins Publikum, dann stimmt die 28-Jährige auf einer Gitarre «Come Away With Me» an - eine Aufforderung an die rund 4300 Zuschauer, sich in den folgenden 90 Minuten von ihr entführen zu lassen. Ohne viel Tamtam - dafür mit einer bezaubernden Stimme.

Anfangs scheinen die Fans in der Olympiahalle noch etwas verhalten. Bei den ersten beiden langsamen Liedern wird höflich geklatscht, auch als Jones ankündigt, nun Songs ihres neuen Albums «Not Too Late» spielen zu wollen. «Oh, immerhin eine Person hat geklatscht, danke», kontert Jones mit einer charmanten Schlagfertigkeit, die man der Tochter des indischen Sitarspielers Ravi Shankar nicht unbedingt zugetraut hätte. Die zehnfache Grammy-Preisträgerin benötigt nicht viele Worte, um das Eis zwischen sich und dem Publikum zu brechen. Die Herzen der Münchner Fans erobert sie endgültig, als sie verrät, am Vorabend in einem «Beergarden» gesessen und reichlich getrunken zu haben. «Ich merke das immer noch», scherzt das musikalische Multitalent.

Immer wieder trockene und pfiffige Kommentare und dann die plötzliche Wandlung zu der zerbrechlich wirkenden, anrührenden Sängerin, der es mit ihren Schmusesongs gelingt, selbst in der riesigen Olympiahalle eine intime Wohnzimmeratmosphäre zu erzeugen. Die Handsome Band, die sie begleitet, hält sich im Hintergrund. Nichts soll von Jones' Stimme ablenken. Und doch tragen die vier ausgebildeten Jazz-Musiker erheblich zur Wirkung der spartanisch arrangierten Songs zwischen Jazz, Country und Pop bei. Wie Jones selbst spielen die meisten Bandmitglieder mehrere Instrumente, darunter auch eher konzertuntypische wie Xylofon, Querflöte und Kontrabass.

Untermalt von den Klängen eines Glockenspiels verzückt die studierte Jazz-Pianistin dann allein am Klavier sitzend ihre Fans mit «My Dear Country», einem ihrer neuen Titel. Neben den neuesten Liedern von «Not Too Late», ihrem ersten komplett selbst komponierten Werk, singt Jones auch bekannte ältere Hits wie «Sunrise». Als Zugabe spielt sie dann noch ihren ersten Charterfolg «Don't Know Why» vom Debütalbum «Come Away With Me», mit dem ihr 2002 der internationale Durchbruch gelungen war. Dabei hält es die Fans im Innenraum nicht mehr auf ihren Sitzen. Mit «Long Way Home», einem gecoverten Song von Tom Waits, entlässt Jones die Besucher in eine sternenklare Nacht. Norah Jones in einem Open-Air-Konzert wäre an diesem lauen Sommerabend noch ein kleines bisschen schöner gewesen.

Norah Jones kann man noch in Hamburg (7.8.), Berlin (8.8.) und Düsseldorf (20.8.) sehen.

Ressort: vm


 

Mit Abschicken Ihres Kommentars akzeptieren Sie die Verhaltensrichtlinien.

 
 
 

 


Seitenanfang



 
 
 


 

 





© Copyright 1996-2008 MOPO Online GmbH