MIRIAM KAEFERT
»Bild«-Chef lädt SPD-Mann als Laudator
Der eine war Herausgeber der "Zeit", der andere ist Chefredakteur der "Bild". Michael Naumann und Kai Diekmann verbindet eigentlich nur eins: eine sehr herzliche Abneigung. Doch jetzt treten die Herren gemeinsam auf. Und das freiwillig!
Seine mangelnde Begeisterung für die "Bild" fasst der SPD-Spitzenkandidat gern mal in blumige Worte. Zum Beispiel in diese: "Die ,Bild'-Zeitung ist das Geschlechtsteil der Massenmedien!" Auch über den stets akkurat gekämmten Chefredakteur äußerte er sich klar: "Herr Diekmann ist wohl nur zu zwei Gefühlsregungen fähig. Enthusiasmus und Verachtung, vor allem für die Leser." Naumann selbst fand in Diekmanns Blatt vielsagende Nichtbeachtung. Er kam in der "Bild" so selten vor wie ein Delfin in der Ostsee.
Doch jetzt hat Kai Diekmann seinen Lieblingsfeind eingeladen. Zum (Rede-) Duell, als Laudator bei der Präsentation seines Sachbuchs "Der große Selbstbetrug"! Mögen die beiden sich heimlich doch? Wird Naumann aus wahlkampftaktischen Gründen zahm? Keinesfalls. "Wie wir zueinander stehen, ist bekannt", sagt Diekmann. "Wir haben uns nie etwas geschenkt. Aber ein wohlmeinender Laudator wäre langweilig!" Der Mann liebt wohl das Risiko. Denn was Naumann sagen wird, weiß er nicht: "Aber etwas anderes als klare Worte sind bei ihm nicht vorstellbar." SPD-Sprecher Günter Beling kündigt an: "Herr Naumann wird seinen Standpunkt vertreten, und das kritisch!" Kommt es am Montag in Berlin zum Showdown? Werden Fetzen und Bücher fliegen? Möglich. Vorsichtshalber findet die Präsentation nur vor einem kleinen, von Diekmann erwählten Kreis statt ...
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