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01.02.2008
ARCHIV: DER RADLER-REBELL
 

Frank Bokelmann schrecken keine Knöllchen und kein Richter

JESSICA KRÖLL

Er will weg vom Radweg - und auf der Straße fahren dürfen / Der Grund: Viele Radwege sind seiner Meinung nach unpassierbar

Er ist ein harter Hund. Und er hat einen langen Atem. Pöbelnde Autofahrer, Bußgelder, dicht an ihm vorbeirasende 20-Tonner - all das kann Dr. Frank Bokelmann nicht schrecken. Der 47-Jährige Finanzbeamte ist leidenschaftlicher Radfahrer - und in dieser Sache überzeugter Querulant. Das hat ihn jetzt sogar vor Gericht gebracht.

Hamburgs Radwege sind größtenteils eine Katastrophe. Entweder zugewachsen, zugeparkt oder mit Schlaglöchern übersät. Und wenn die Radfahrer dann auf die Fahrbahn ausweichen, sind die Autofahrer empört. Denn wenn ein Radweg vorhanden ist, muss man ihn auch benutzen. So steht es in der Straßenverkehrsordnung. Bokelmann verstößt regelmäßig gegen diese Vorschrift. Und das seit Jahren.

Sein Ziel: Die Abschaffung der Benutzungspflicht für Radwege. "Zumindest sollten die, wenn sie schon benutzungspflichtig sind, auch benutzbar sein", fordert Bokelmann. Der Finanzbeamte erlebt jeden Tag einen Hindernislauf, wenn er mit dem Rad die Behringstraße entlang zur Arbeit fährt. Weil er wegen des zugewachsenen Radwegs immer auf die vielbefahreren Straße wechselt, wird er dort regelmäßig von der Polizei gestoppt. Zwar ist es erlaubt, die Fahrbahn zu wechseln, wenn der Radweg nicht mehr befahrbar ist. Allerdings ist nicht genau festgelegt, ab wann das der Fall ist.

Bokelmann bekam mal wieder ein Ticket - und beschloss: "Das zahl ich nicht!" Deshalb musste er gestern vor Gericht.

Beeindruckt hat ihn das nicht. Im Gegenteil: "Ich habe es ja darauf angelegt. Ich knüppel' schon seit zehn Jahren auf die Behörden ein. Aber die sind hartleibig", so Bokelmann.

Doch nicht so hartleibig wie er. Seit Jahren kämpft er für die Freiheit der Radfahrer. 2004 zeigte er Autofahrer an, die an der Behringstraße (Altona) zu dicht am Radweg parkten. So wollte er erreichen, dass das Radfahren auf dieser Straße erlaubt wird. Die Klage wurde abgelehnt. Aber der begeisterte Liegeradfahrer hat auch Erfolge zu verbuchen: So gehen die Poller am Strandweg in Blankeneseauf sein Konto.

Mit der Akribie eines Finanzbeamten arbeitete sich Bokelmann in die Straßenverkehrsordnung ein. Er kennt sämtliche Paragraphen in- und auswendig, richtet seitenlange Briefe an die Behörden: "Mittelerweile habe ich viele Schreiben schon im Computer, muss sie nur noch ausdrucken."

Auf seiner Homepage (www.frank-bokelmann.de) hat er ganze Urteile, Verkehrsschilder und diverse Links zum Thema Radwegbenutzung eingestellt.

Der Richter hat gestern das Verfahren gegen ihn eingestellt. Ein Sieg. Bokelmann ist sicher: "Das ist der Anfang vom Ende der Benutzungspflicht."


www.frank-bokelmann.de



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