Dienstag, 16.03.2010

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07.03.2008
ARCHIV: INTERVIEW MARKUS ZUSAK
 

Autor aus Australien mit Hang zur deutschen Geschichte

KIRSTEN SCHMIDT

Der Schriftsteller stellt seinen Bestseller "Die Bücherdiebin" vor

Er gilt als der neue Star am Bücherhimmel, der australische Autor Markus Zusak. Mit seinen Jugendbüchern hatte er bereits beachtliche Erfolge. Nun wagte sich Zusak an einen Romanstoff, der auch für Erwachsene lesenswert ist, und zugleich ans düsterste Kapitel deutscher Geschichte: "Die Bücherdiebin" (Blanvalet) erzählt von einer Kindheit in Nazi-Deutschland - aus der Sicht des Todes! Der Roman eroberte die US-Bestsellerlisten. Nun stellt der 32-Jährige, Sohn deutsch-österreichischer Immigranten, sein Buch in Hamburg vor. Am 10. März liest er gemeinsam mit Schauspieler Tim Bergmann im Logensaal der Kammerspiele.

MOPO: Wie kommt ein Australier auf eine Geschichte, die in Nazi-Deutschland spielt?

Markus Zusak: Ich bin in Sydney aufgewachsen, aber unsere Eltern haben uns oft von ihrer Kindheit in Deutschland und Österreich erzählt.

MOPO: Haben Sie Ressentiments gegenüber Deutschen?

Zusak: Nein, wirklich nicht. Meine Eltern waren ja selbst Deutsche. Sie sind nur, wie so viele andere, nach dem Krieg nach Australien ausgewandert. Natürlich waren das Geschichten über brennende Städte, aber auch über Menschen, die Widerstand gegen Hitler leisteten. Und meine Eltern haben diese Geschichten stets sehr liebevoll und nachvollziehbar erzählt.

MOPO: Warum haben Sie ausgerechnet aus der Perspektive des Todes geschrieben?

Zusak: Da gibt es diese alte Weisheit, dass Krieg und Tod die besten Freunde sind. Also dachte ich: Wer könnte eine Geschichte, die während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland spielt, besser erzählen als der Tod selbst? Er war schließlich überall in dieser Zeit. Aber er sollte nicht so allmächtig daherkommen. Ich dachte: Was, wenn der Tod genau so viel Angst vor den Menschen hätte wie umgekehrt? Letztendlich ist es der Tod, der immer dann da ist, wenn uns das größte Unglück passiert, und er sieht direkt die Auswirkungen all der Grausamkeiten, zu denen die Menschen in der Lage sind.

MOPO: Konnten Sie damit die eigene Angst vor dem Tod überwinden?

Zusak: Nein. Ich habe immer noch diese große Angst vor dem Unbekannten. Aber ich mag den Gedanken, dass alles Teil eines anderen ist und dass der Tod da keine Ausnahme bildet. Er ist nur ein Teil dessen, was wir natürlicherweise erleben.

MOPO: "Die Bücherdiebin" verkauft sich blendend. Dieser Erfolg hat doch sicher Ihr Leben verändert.

Zusak: Sehr! Ich kann mich plötzlich aufs Schreiben konzentrieren, nur meine 20 Monate alte Tochter lenkt mich noch ständig ab. Aber ich muss nicht mehr nebenbei noch lauter andere Jobs machen. Das einzig Negative ist, dass nun die Erwartungen an mein nächstes Buch sehr hoch sind. Aber auch das ist eigentlich schon wieder positiv. Ein bisschen Druck ist manchmal ganz gut für mich.

Info:
Kammerspiele, Logensaal, Hartungstr. 9-11, 10.3., 19.30 Uhr


 

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