BUTTJE ROSENFELD
Paderborns Coach über sein Himmelfahrtskommando, Takyi und Brunnemann
Er hatte den SC Paderborn zum Rückrundenbeginn als Letzter übernommen - mit sechs Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. Mittlerweile sind's gar neun Zähler. Vorm Spiel am Sonntag gegen den FC St. Pauli sprach die MOPO mit Paderborns Coach Pavel Dotchev (42).
MOPO: Sie wurden von Ihrem letzten Verein Erfurt nach Ihrem Abgang mit reichlich Dreck beworfen.
Dotchev: Ja, ich wurde als Verbrecher und Erpresser bezeichnet. Dabei hätte der Präsident nur sein Veto einlegen müssen.
MOPO: Macht es denn Spaß, den Letzten zu trainieren, ein Himmelfahrtskommando zu führen? Zumal Sie mit Paderborn 2005 in die 2. Liga aufstiegen, trotzdem gehen mussten.
Dotchev: Es gibt viele Gründe. Meine Familie ist die ganze Zeit in Paderborn geblieben, sie hat mir gefehlt. Zudem war der Vertrag bis 2010 finanziell lukrativ, hier entsteht gerade ein neues Stadion, und ich habe die Aufgabe als Herausforderung gesehen. Ich war der Überzeugung, dass eine Rettung noch möglich ist.
MOPO: Die wäre jetzt ein Wunder. Paderborn ist weit abgeschlagen.
Dotchev: Ja, wir schießen zu wenig Tore, sind leider immer für ein Gegentor gut.
MOPO: Wie schlimm wäre ein Abstieg für Ihren Klub?
Dotchev: Er wäre keine Katastrophe! Wir versuchen uns so gut wie möglich zu verkaufen, wollen eine gute Mannschaft mit vielen jungen deutschen Spielern für die kommende Saison aufbauen. Denn auch die neue 3. Liga wird äußerst attraktiv.
MOPO: Um doch noch Hoffnung zu schöpfen, brauchen Sie einen Sieg gegen St. Pauli. Was halten Sie von den Hamburgern?
Dotchev: Bei denen steckt noch viel mehr drin. Den Klub mochte ich immer schon. Egal ob die Spieler, die Fans oder die Vereinsfarbe - bei denen ist alles anders. Außerdem kickt dort mein Lieblingsspieler.
MOPO: Wer ist das?
Dotchev: Charles Takyi. Das ist ein feiner Techniker, der auch in Bedrängnis die Übersicht behält. Ein guter Einzelkönner, aber kein Egoist.
MOPO: Sie trainierten in Erfurt Björn Brunnemann. Der hat in Hamburg den Durchbruch noch nicht geschafft.
Dotchev: Ihm habe ich Freiräume gegeben, die er bei St. Pauli in der 2. Liga nicht haben kann, weil die Konkurrenz größer ist. Er ist sehr sensibel, braucht viel Verständnis. Dann kann er sein großes Potenzial abrufen.
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