CHRISTIAN BURMEISTER, OLAF WUNDER
Von der Reeperbahn über Schulen bis zu McDonald's - Videokameras filmen heute fast jeden Ort der Stadt
Beim Kaffeeholen, im Supermarkt oder in der U-Bahn: An immer mehr Plätzen sind Videokameras auf uns gerichtet. Meistens versteckt, manchmal ohne Genehmigung.
"Es gibt einen eindeutigen Trend hin zu mehr Überwachung im öffentlichen und privaten Raum", sagt Hamburgs Datenschutzbeauftragter Hartmut Lubomierski. Ein Grund: Die notwendige Technik ist immer leichter verfügbar - und vor allem immer billiger.
Der öffentliche Raum in Hamburg ist gut mit Videoanlagen bestückt. Wurden Sie heute schon überwacht? Hier eine Auswahl von Orten, an denen Kameras auf Sie gerichtet sind:
An der Reeperbahn (zwölf Kameras) und am Hansaplatz in St. Georg (fünf Kameras)
Sämtliche U-Bahnen sowie 450 von 800 Bussen sind videoüberwacht
Sämtliche Bahnhöfe und Bahnsteige, ebenso der Flughafen
Fast 50 Schulen - vor allem Berufsschulen mit teurer Ausstattung
Elbtunnel, Köhlbrandbrücke sowie zahlreiche Kreuzungen
Alle größeren Kaufhäuser oder Elektrogeschäfte
Alle Banken
Immer wieder kommt es auch bei privaten Unternehmen zu Problemen bei der Überwachung. Lidl und zuletzt Balzac sind nur die prominentesten Beispiele für private. Weitere Beispiele in Hamburg:
Die British American Tobacco (BAT) dürfte bald Ärger bekommen. Rechtsanwalt Harry Hardt, der derzeit mit dem Fall des Balzac-Coffee-Shops beschäftigt ist, will gegen Außenkameras, die an der Fassade des BAT-Gebäudes hängen, vorgehen - und zwar aus eigenem Interesse: "Die Kamera guckt mir direkt ins Büro. Das lasse ich mir nicht bieten", sagt Hart.
In manchen McDonald's-Filialen müssen sich Kunden filmen lassen. Beispielsweise in der Filiale Barsbütteler Straße (Jenfeld): Dort steht allerdings ein Hinweisschild an der Tür. Dazu Datenschutzbeauftragter Lubomierski: "Bei McDonald's eindeutig unverhältnismäßig."
Das Edelrestaurant Riverkasematten hat Ärger mit den Nachbarn. Grund: Eine Videokamera hatte unter anderem den öffentlichen Gehsteig gefilmt. Der Besitzer des benachbarten Pudelclubs hatte den Fall ans Licht gebracht.
Info:
MOPO-BAROMETER
Wie finden Sie es, dass immer mehr Orte mit Kameras überwacht werden?
Gut, ich fühle mich dadurch sicherer. 53,8%
Schlecht, es verletzt meine Persönlichkeitsrechte. 46,2 %
So wird in London aufgepasst
CCTV, das ist kein neuer britischer Fernsehsender, sondern die Bezeichnung für flächendeckende und verknüpfte Videoüberwachung. Das System - für Londons Bewohner und Besucher selbstverständlich Jeder wird täglich bis zu 300 Mal gefilmt, ob in der U-Bahn, auf Straßen oder Plätzen. Aus Furcht vor der IRA Anfang der 1990er Jahre eingeführt, besteht die heutige Anlage gemäß Schätzungen aus mehr als einer halben Million Kameras. Die werden von den städtischen Behörden betrieben. Die Videobilder kommen ins Archiv und dienen als Dokumente vor Gericht oder als Datenbankmaterial. Die weltweit erste flächendeckende CCTV-Überwachung wurde im Jahr 2000 in Johannesburg gestartet.
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