THOMAS HIRSCHBIEGEL
370 Beamte aus ganz Hamburg mit zwei Wasserwerfern im Einsatz
Beziehungs-Knatsch mitten auf dem Schulterblatt. Ein Pärchen zankt sich lautstark. Nichts besonders in der Schanze. Doch in der Nacht zum Sonntag führte der Streit dazu, dass die Polizei mit 370 Leuten anrückte und die "Rote Flora" stürmte.
Um 5.30 Uhr waren ein 23-jähriger Schwarzafrikaner und seine Freundin (18) aneinander geraten. Leute aus der Roten Flora mischten sich ein und sprühten dem Afrikaner Reizgas ins Gesicht. Die 18-Jährige wurde laut Polizei gleichzeitig gegen ihren Willen in die Flora gezogen. Verfolgt von wütenden "Rotfloristen" flüchtete sich der 23-Jährige in seine Wohnung am Schulterblatt. Dann trafen zwei alarmierte Peterwagen ein, die Beamten nahmen zunächst den Afrikaner fest, weil der angeblich mit einem Messer herumgefuchtelt haben soll. Der Mann konnte den Schutzleuten aber klar machen, dass er eher Opfer, nicht Täter sei. In diesem Moment wiesen Zeugen auf einen Angreifer hin, der den Afrikaner verfolgt hatte. Der hielt sich direkt neben der "Roten Flora" auf. Die Polizisten rannten hin und wollten ihn festnehmen. Der Mann wehrte sich heftig. Als er zum Streifenwagen gebracht werden sollte, attackierte eine Gruppe die Polizisten mit Steinen und Flaschen. Die Scheibe eines Streifenwagens ging zu Bruch, eine Polizistin wurde leicht verletzt. Der Festgenommene konnte flüchten. Polizeisprecher Ralf Meyer: "Ein großer Teil der Personengruppe flüchtete danach in die Flora". Aus ganz Hamburg wurden Streifenwagen zum Schulterblatt geschickt. Doch auf das heftige Klopfen der Beamten öffnete niemand in der Flora. Die Polizeiführung alarmierte die Bereitschaftspolizei mit zwei Wasserwerfern. Um 11.40 Uhr hatten die 370 eingesetzten Beamten die Tür aufgebrochen. 13 Verdächtige wurden abgeführt. In einer Presseerklärung nahm die Rote Flora zum Angriff auf die Beamten keine Stellung, behauptete nur: "Trotz vorhandener Schlüssel wurden etliche Türen von der Polizei zerstört und alle Räume durchsucht".
Info:
Historie
Das Gebäude am Schulterblatt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich
1857 Das Haus wird erbaut und als Vorstadt-Theater unter dem Namen "Schmidt's Tivoli" bekannt, 1888 wird es das "Concerthaus Flora". 1953 ging es bergab Die Flora wird Kino, dann Filiale des Küchenausstatters "1000 Töpfe". 1987 Der Senat beschließt, die Flora für das Musical "Phantom der Oper" zur Verfügung zu stellen. Der Streit mit den alternativen Schanze-Anwohnern beginnt. 1989 Autonome besetzen das Haus und richten ein selbstverwaltetes Stadtteilzentrum ein. Mai 2000 Es kommt zu Straßenschlachten zwischen Autonomen und Polizei. März 2001 Immobilienkaufmann Klausmartin Kretschmer kauft die Flora. Danach wurde es ruhiger.
Ressort: HH Hamburg
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