OLAF WUNDER
Vorsicht! Ihre Schmuckstücke sind viel mehr wert / Kaum ein Juwelier bietet ehrliche Preise
Der Goldpreis auf Rekordniveau! Die Gelegenheit, den alten Schmuck aus der Kommode zu holen und zu Geld zu machen - so denken viele. Ein wahrer Goldrausch! Aufkäufer, die mit "Höchstpreisen" werben und mit "Bargeld sofort", haben inzwischen Läden an jeder zweiten Straßenecke. Mister X enthüllt, wie seriös°- besser: unseriös - sie sind. Das Ergebnis: Empörend!
Steindamm 30 in St. Georg. Sitz von "Aria Juwelier". "Guten Tag, was kann ich für Sie tun?", fragt der Mann hinterm Tresen. Mister X legt Schmuck auf den Tisch. "Was krieg' ich dafür?"
Der Juwelier schiebt sich eine Spezialbrille übers Gesicht, legt alles auf eine Waage, tippt schweigend Zahlen in einen Rechner: "Was haben Sie sich denn so vorgestellt?"
Mister X stellt sich dumm. "Keine Ahnung. Sie sind doch der Experte ... 500 Euro vielleicht?" "Ich gebe Ihnen 485 Euro", sagt der Juwelier daraufhin wie aus der Pistole geschossen. Als Mister X alles einpackt und sich umdreht, um den Laden zu verlassen, hört er den Geschäftsmann rufen: "Gut, dann eben 500!"
Ein faires Angebot? Alles andere als das! Für die MOPO analysiert die Aurum GmbH in Norderstedt, die größte Goldscheideanstalt des Nordens, den Wert der fünf Schmuckstücke: zwei Ringe, zwei Armbänder, eine Halskette. Nach einer professionellen Analyse mit Hilfe eines Massenspektrometers kommt Geschäftsführer Dr. Mathias Kruse auf einen Betrag von 1176,91 Euro. "Das ist aus meiner Sicht ein seriöser Ankaufspreis." Also mehr als das Doppelte dessen, was der "Aria Juwelier" geboten hat.
Weitere acht Gold-Aufkäufer klappert die MOPO ab. Zum Beispiel Gold & Juwelen (Esplande 20): Misstrauisch wird Mister X, als er auch hier die Frage hört, mit welchem Preis er gerechnet habe. "So 600 vielleicht", antwortet er. "Ich gebe Ihnen 620", sagt die Frau hinterm Tresen - und wartet auf ein dankbares Lächeln. Vergeblich. Mister X verabschiedet sich: "Danke, nein!"
Und es geht so weiter: Der Juwelier Topkapi (Steindamm 15) bietet Mister X 890 Euro. Der "Carat Juwelier" (Steindamm 23) ist bereit, 935 Euro zu zahlen. Das sind 286 bzw. 241 Euro weniger als von Aurum errechnet.
Die Maschen der unseriösen Goldaufkäufer - Aurum-Chef Kruse kennt sie alle. "Da sind die Waagen falsch eingestellt. Abenteuerliche Rechentricks werden angewandt." Am schlimmsten sei es, wenn der Kunde signalisiere, dass er ahnungslos ist. "Dann wird er gnadenlos über den Tisch gezogen."
Aber nicht überall. Auch auf seriöse Geschäftsleute traf Mister X. Wie Tarkan Yilmaz von "Goldtrans" (Tonndorfer Hauptstraße 124): 1110 Euro bot er für den Schmuck. Damit ist er Goldmedaillen-Sieger im MOPO-Test.
So verkaufen Sie richtig
Die MOPO erklärt, wie Sie den Wert Ihres Schmucks berechnen können
Wer Goldschmuck verkaufen will, sollte vorher wissen, was er wert ist. Das kann sich jeder zu Hause selbst ausrechnen. Dazu braucht er lediglich eine Küchenwaage.
Beispiel: Nehmen wir an, eine Kette, die die Prägung "585" trägt, ist 40 Gramm schwer. Dann rechnen wir: 40 x 585 und teilen das durch 1000. Ergebnis: 23,4 Gramm Feingold enthält die Kette. Der derzeitige Ankaufspreis liegt bei rund 15 Euro je Gramm. Das heißt: Die Kette ist 351 Euro wert. Bei 333er oder 750er Gold wird die Formel entsprechend verändert.
Gold-Experten raten dazu, Angebote mehrerer Ankäufer einzuholen. Wer auf Nummer sicher gehen will, wendet sich direkt an eine Goldscheide-Anstalt wie Aurum in Norderstedt (www.aurum-edelmetalle.de).
Auch der Aufkäufer an der Ecke gibt sein Altgold an die Scheideanstalt weiter. Er wird also nie so viel für das Gold zahlen wie die Scheideanstalt, denn er will ja einen Gewinn machen.
Alter Schmuck oder Zahngold wird in der Regel eingeschmolzen und an die Industrie oder an Goldschmiede verkauft. Die Aurum GmbH in Norderstedt hat sich übrigens darauf spezialisiert, Edelmetall-Legierungen für die Medizintechnik herzustellen.
Info:
MISTER X
Tel. (040) 80 90 57-321
MisterX@mopo.de
Mit Abschicken Ihres Kommentars akzeptieren Sie die Verhaltensrichtlinien.
Artikel drucken
Artikel versenden
Leserbrief schreiben
Meinung sagen und diskutieren
Zurück zur Übersicht
Zu Social-Bookmarking-Diensten hinzufügen:
Hält die Liebe auch mal Langeweile aus? mehr
Wer stoppt die "Musiker"? mehr
Alle Kinder sollten in die Vorschule gehen mehr
Der Fortschritt hält Einzug mehr
Die Doktorandin und die Wohnung mehr
Ärger im Restaurant? So wehren Sie sich! mehr
Nachhilfeunterricht ist oft ein Statussymbol mehr