OLAF WUNDER
Der Hamburger Eugen Simon (51) will mit "Gedankendoping" aus Verlierern Sieger machen - für ein horrendes Honorar
Nur, wer an sich glaubt, wird seine Ziele erreichen." Eine banale Erkenntnis. Aber Eugen Simon (51) schafft es immer wieder, ganze Wochenenden darüber zu reden. Es ist ein Phänomen: Der Hamburger zieht seit Monaten durch die Lande und füllt überall Säle. "Gedankendoping" - unter diesem Schlagwort steht das alles. Wie aus Verlierern Siegertypen werden, das will er vermitteln. Und es gibt Menschen, die hinterher sagen, sie würden jetzt erst anfangen, richtig zu leben. Hat Simon ihnen die Augen geöffnet - oder eine Gehirnwäsche verpasst? Ist er ein Messias - oder ein Scharlatan?
Das Logenhaus an der Moorweidenstraße an diesem Sonnabend: Nur einen einzigen Euro kostet das zweitägige Seminar. Vielleicht sind gerade deshalb so viele gekommen. "Ich will mich selbstständig machen", sagt Eva-Maria Haselhorst aus Blankenese. "Aber mir fehlt der Mut. Vielleicht hilft mir das Seminar."
300 Gäste hören erst mal Simons Lebensgeschichte. Taxifahrer sei er gewesen, dann Sportreporter bei RTL. Schließlich habe er sich mit einer Filmfirma in Australien niedergelassen. "Ich führe ein Traumleben", sagt er und schürt gezielt Neid. Heute lebe er mit Ehefrau und zwei Kindern in einer Villa an einem der schönsten australischen Strände. "Was ich will, erreiche ich", sagt er. Und dann zu den Zuhörern: "Das könnt ihr auch!"
Was in den darauffolgenden Stunden in dem Saal vor sich geht, hat etwas Sektenähnliches. Alle fünf Minuten unterbricht Simon seinen Monolog, brüllt in die Menge "Habe ich recht?" oder "Macht das Sinn?" und reißt den Arm in die Höhe. Seine Zuhörer haben gar keine Chance, als im Chor zurückzubrüllen: "Ja!"
Wer in der Hoffnung, irgendwann mal etwas von Substanz zu hören, beide Tage ausharrt, wird enttäuscht. Phrasen und Binsenweisheiten - das ist alles, was es gibt: "Leben ist Veränderung." Oder: "Nur ihr selbst könnt euer Leben in die Hand nehmen." Oder: "Jeder Mensch muss Ziele haben." Simon sagt: Es komme auf die Gedanken an. Darauf, dass sie positiv sind. "Wer wirklich daran glaubt, den Mount Everest zu besteigen, der wird es auch."
"Emotionsradierer" und "Entscheidungszerstörer"°- so oder so ähnlich nennt Simon die "Techniken", mit denen der Einzelne sein Denken verändert. Sie beseitigen negative Gefühle, ersetzen falsche Entscheidungen der Vergangenheit durch "richtige" und helfen dabei, die Menschen aus dem Umfeld zu verbannen, die einen mit "negativer Energie" behindern. Soso... Die Zuhörer scheinen zufrieden, antworten immer noch lauthals "Ja!", sobald er es verlangt.
Der Mann ist nicht der Gutmensch, der er vorgibt zu sein. 300 Schulen in der Dritten Welt zu gründen, sei sein Lebensziel, hat er gesagt. Dazu aber passt nicht, dass das Seminar mit zunehmender Dauer in eine Verkaufsveranstaltung mutiert. Wie bei einer Kaffeefahrt geht's plötzlich zu, nur dass hier nicht Topfsets und Magnetdecken verhökert werden, sondern Bücher, CDs, DVDs, Schlüsselanhänger. Wer sofort zahlt, spart die Hälfte. Die sechs Folgeseminare kosten dann auch "nur" 12000 Euro.
Ganz geschickt nimmt Simon jeder möglichen Kritik den Wind aus den Segeln: "Einige von Euch werden jetzt denken, der will ja nur seine Kurse an den Mann bringen", sagt er. "Aber das macht nichts. Es gibt auch auch die anderen, die begriffen haben, dass sie ihr Leben verändern müssen."
Heißt so viel wie: Nur, wer bucht, hat eine Chance auf Erfolg. Die anderen sind dumm, bleiben für immer Verlierer.
Info:
Das sagen Seminar-Teilnehmer
Carola Schmitt (44) "Ich fand es interessant. Es ist gut, immer wieder daran erinnert zu werden, worauf es im Leben ankommt."
Uwe Schriever (48) "Meine Freundin hat das Seminar motiviert, sich jetzt ihren Traum zu erfüllen ein Buch schreiben."
Helena Meersteiner (46) "Ich bin selbst Coach und Kommunikationstrainerin. Viel Neues habe ich nicht gehört."
Eugen Simon (51) Er behauptet, jeden zu einem Erfolgsmenschen machen zu können - durch "Gedankendoping".
Zitat:
"Wer wirklich daran glaubt, den Mount Everest zu besteigen, der wird es auch"
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