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17.10.2008
ARCHIV: URTEIL IM MAMMUT-PROZESS
 

Ein brutaler Absturz aus höchsten Kreisen

THOMAS HIRSCHBIEGEL

Die verurteilten Osmanis hatten einen exklusiven Lebensstil / Den können sie sich vorerst abschminken

Sie waren auf dem Weg ganz nach oben, waren kurz davor, ihre anrüchige Vergangenheit, die ganz viel mit dem Kiez zu tun hatte, weit hinter sich zu lassen. Sie lebten in Villen mit Traum-Elbblick oder in einem 300-Quadratmeter- Penthouse in der HafenCity, fuhren Rolls-Royce, Maserati oder Ferrari - die Osmanis. Nun der jähe Absturz. Wird das gestrige Urteil rechtskräftig, verbringen Burim und Bashkim Osmani die nächsten Jahre im Knast.

Der Aufstieg begann zunächst vollkommen unbemerkt. 1979 war der älteste Bruder, Quazim "Felix" Osmani (49), nach Hamburg gekommen. Schon bald verfügte er über Millionen. Woher das Geld kam? "Vom Roulette und von fleißiger Arbeit", behauptete "Felix", der Glückliche. Im Kiez-Milieu begann man die Osmanis zu fürchten. Bald kamen auch Bashkim (41) und Burim (44) an die Elbe. Beide investierten in großem Stil in Gastronomie und Immobilien. Vor fast genau 15 Jahren am 18. Oktober 1993 erschien der erste Zeitungsbericht über die Osmanis in der MOPO. Doch mit der Pressefreiheit hatten die Osmanis so ihre Probleme. Nachdem MOPO-Reporter weder auf nette Einladungen zum Grand Prix nach Monaco noch auf unverhohlene Drohungen eingingen, wurden teure Anwälte auf die Presse gehetzt. Die setzten durch, dass die MOPO sogar aus Gegendarstellungen der Osmanis nicht mehr zitieren oder nicht mehr schreiben durfte, was ein Oberstaatsanwalt über den Clan in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung erklärt hatte. Warum diese Furcht? Was haben die Osmanis zu verbergen? Dass sie beste Verbindungen in Gesellschaft, Sport und Politik, aber auch zu den Hells Angels haben? Das ist doch nicht ehrenrührig. Die Frage ist nun: Wie geht's weiter mit den Osmani-Clan? Was geschieht, wenn Burim und Bashkim in einigen Jahren aus dem Knast kommen? Fakt ist: Den Aufstieg in bessere Kreise können sie sich abschminken. Fakt ist auch: Sie haben in den vergangenen Jahren Millionen verloren. Aber es ist mehr als genug übrig.

Und wer den Aufstieg der Familie in der Hansestadt seit 1979 verfolgt hat, wer die Zähigkeit und Rücksichtslosigkeit des Clans beobachtete, der weiß - die Osmanis geben nicht auf. Niemals. Und gegen den ältesten Bruder, "Felix", liegt nichts vor, er kann weltweit Geschäfte machen und tut es auch ausgiebig. Als sicher gilt auch, dass zumindest Bashkim und Burim in Hamburg bleiben. Die Stadt ist zu ihrer Heimat geworden. Ins arme Kosovo wollen sie nie mehr zurück.

Info:
Jahrelang versuchten die Osmanis, alle Berichte über sie zu verbieten

Ressort: THEMA DES TAGES


 

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