STEFAN KRAUSE, ERIK TRÜMPLER
Bremens Stürmer über seine Zeit bei Chelsea, seine Ziele mit Werder und einen Kumpel beim HSV
Zwischen 1999 und 2001 war er schon einmal in Bremen, im Sommer kehrte Claudio Pizarro (30) an die alte Wirkungsstätte zurück. Geht es nach Geschäftsführer Klaus Allofs, wird aus dem Leihgeschäft mit dem FC Chelsea im nächsten Sommer mehr. Der Peruaner, der heute in Hannover genau wie Diego wegen einer Muskelverhärtung nicht dabei ist, spricht im MOPO-Interview über seine Zeit in Chelsea, Werder und den HSV.
MOPO: Vor sieben Jahren waren Sie zuletzt bei Werder. Was hat sich verändert?
Pizarro: Vor allem das Team. Werder ist zu einer großen Mannschaft in Deutschland geworden. Damals haben wir um den siebten Platz gespielt, jetzt geht es um Meisterschaft und Champions League.
MOPO: War die sportliche Qualität ausschlaggebend für Ihre Rückkehr?
Pizarro: Auf jeden Fall. Ich will Champions League spielen und einen Titel holen. Und ich glaube, Werder hat die Chance, Meister zu werden.
MOPO: Sie waren bei zwei großen Vereinen - bei Bayern und bei Chelsea. Liegt Werder auf Augenhöhe?
Pizarro: Ich glaube, dass es qualitativ einen Unterschied zu Chelsea gibt. Dort sind die besten Spieler der Welt. Bayern ist schon eher mit Werder zu vergleichen.
MOPO: Muss man sich das Profi-Leben bei Chelsea anders vorstellen?
Pizarro: Ach was, Fußball ist überall das Gleiche. Aber ein Chelsea-Trainer muss sehr gut sein, muss mit all den starken Spielern sprechen. Es ist ganz schwierig, wenn einer der Stars auf die Bank oder Tribüne muss.
MOPO: Sie haben dort mit José Mourinho gearbeitet. Was ist das für ein Typ?
Pizarro: Er versucht, das Beste aus jedem Spieler herauszuholen, redet viel. Für mich ist er einer der besten Trainer, die ich je hatte.
MOPO: Bekommt die Mannschaft bei ihm das Gefühl, unbesiegbar zu sein?
Pizarro: Das ist nicht nur die Einstellung des Trainers. Dort sind viele Profis, die es gewohnt sind, immer zu gewinnen. Das ist eine Stärke, die man in der Kabine spürt.
MOPO: Haben Sie auch Roman Abramovich kennengelernt?
Pizarro: Klar. Immer, wenn er vor Ort ist, kommt er in die Kabine und sagt Hallo. Er ist ein ganz normaler Typ.
MOPO: Wie muss man sich in London den Umgang mit den Fans vorstellen? Haben die überhaupt eine Chance, die Spieler nach Autogrammen zu fragen?
Pizarro: Es gibt Leute, die an der Straße am Trainingsgelände warten. Zuschauen dürfen sie ja nicht. Ansonsten gibt es nur ein Mal im Jahr einen "Tag der offenen Tür".
MOPO: Finden Sie es besser, wenn die Fans nicht jeden Tag am Platz stehen?
Pizarro: Nur ein Mal im Jahr den Fans die Möglichkeit für Autogramme zu geben ist ein bisschen spärlich und problematisch. Als Sportler ist es aber manchmal einfacher, wenn nicht so viele Leute am Rand stehen.
MOPO: Zurück zu Werder. Profitieren Sie von der offensiven Spielweise?
Pizarro: Das ist für einen Stürmer natürlich klasse, aber wir dürfen trotzdem nicht so viele Tore kriegen. Wenn wir wie gegen Hoffenheim 5:4 gewinnen, ist die Strategie kein Problem. Aber wir müssen als Mannschaft besser nach hinten arbeiten.
MOPO: Einst bildeten Sie mit Ailton das Sturmduo. Haben Sie noch Kontakt?
Pizarro: Ich weiß nur, dass er jetzt in Österreich ist. Wir haben keinen Kontakt mehr, auch wenn wir uns damals gut verstanden haben. Er war der verrückteste Typ, mit dem ich je zusammengespielt habe. (lacht)
MOPO: Hamburgs Paolo Guerrero kennen Sie aus München. Verfolgen Sie seinen Weg beim HSV?
Pizarro: Ja, wir sprechen viel, sind gut befreundet. Er ist ein echter Knipser.
MOPO: Was sagen Sie zum HSV?
Pizarro: Der HSV hat seit vier Jahren immer eine super Mannschaft. Auch jetzt sind sie gut drauf. Mal gucken, wie lange sie diesmal oben stehen.
MOPO: Spielen Sie und Guerrero nochmal zusammen in der Nationalelf?
Pizarro: Natürlich, wenn ich noch nominiert werde (lacht). Momentan ist das ein bisschen kompliziert.
MOPO: Wann klärt sich der Fall denn?
Pizarro: Das ist geklärt. Ich bin nicht mehr suspendiert. Wenn ich nominiert werde, würde ich hinfahren.
MOPO: Sind Sie schon so sehr Europäer, dass Sie nach der Karriere bleiben?
Pizarro: Ja, vor allem wegen der Kinder. Sie sind hier geboren, gehen in die Schule, sind Europäer.
MOPO: Können Sie sich vorstellen, in Bremen zu bleiben?
Pizarro: Klar. Aber ich gehöre Chelsea und muss zurück. Was dann passiert, weiß ich nicht.
Info:
Zur Person
Claudio Miguel Pizarro Bozio (* 3. Oktober 1978 in Lima) begann seine Deutschland-Karriere 1999 bei Werder. Der FC Bayern verpflichtete ihn 2001 für 8,2 Millionen Euro. Mit den Münchnern gewann er drei Meisterschaften, drei Mal den DFB-Pokal sowie den Weltpokal. 2007 wechselte er zum FC Chelsea. Auf Leihbasis spielt er für Bremen. Pizarro war Kapitän der peruanischen Nationalelf, wurde Ende 2007 aber suspendiert, weil er angeblich vor einem Spiel über die Stränge geschlagen haben soll. Pizarro ist Vater zweier Söhne und einer Tochter.
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