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05.11.2008
ARCHIV: RACHE FÜR DAS KOHLEKRAFTWERK MOORBURG?
 

Anschläge gegen Vattenfall

MALTE STEINHOFF

Attentäter jagen VW-Bus in die Luft / Vier weitere Wagen werden vollkommen zerstört / Die Polizei geht von politischer Tat aus

Selbst im zweiten Stock gingen die Fensterscheiben zu Bruch - so heftig war die Druckwelle. An der Bethesdastraße in Hamm explodierte in der Nacht zu gestern ein mit Gasflaschen beladener Werkstattwagen der Firma Vattenfall. Nur durch Glück wurde niemand verletzt. Nach dem Anschlag auf einen VW Golf des Energiemultis am Eimsbütteler Marktplatz in der Nacht zum Montag (MOPO berichtete), war es die zweite Attacke auf Vattenfall innerhalb von nicht einmal 26 Stunden.

Um 3.49 Uhr melden Anwohner, dass ein am Gehweg parkender VW-Bus in Flammen steht. Als Polizei und Feuerwehr eintreffen, brennt der Vattenfall-Transporter lichterloh. Die Täter sind ein hohes Risiko eingegangen: Der Wagen ist mit vier hochentzündlichen Acetylen-Gasflaschen beladen, die für Schweißarbeiten verwendet werden. Als die Rettungskräfte mit dem Löschen beginnen, explodiert plötzlich eine der Flaschen! Die Druckwelle bringt die Fensterscheiben zum Platzen. Die drei übrigen Acetylen-Behälter werden gekühlt und behutsam abtransportiert. Trotzdem: Neben dem Firmenwagen brennen vier weitere Fahrzeuge vollkommen aus. Polizeisprecher Ralf Meyer: "Es wurde eine Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen."

Offenbar sind die Anschläge als gewaltsamer Protest gegen den Bau des umstrittenen Kohlekraftwerks Moorburg zu verstehen. Nach monatelangem Hickhack erteilte Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) Ende September die Genehmigung zum Bau des Kraftwerkes - allerdings unter strengen Umweltauflagen. Der schwedische Energieriese hat vergangene Woche Klage gegen diese Bedingungen eingereicht. Die Ermittler schließen allerdings auch einen Zusammenhang mit dem am Wochenende beginnenden Castor-Transport nicht aus. Polizeisprecher Meyer: "Klar ist, wir gehen von einer politischen Tat und Brandstiftung aus. Es gibt aber bisher keinerlei Bekennung, keinerlei Hinweise." Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Bei Vattenfall zeigt man sich besorgt. Sprecherin Sabine Neumann: "Die Anschläge sind hinterhältig, kriminell und unverantwortlich. Wir tun alles Mögliche, um unsere Mitarbeiter zu schützen." Aber was haben Werkstattwagen eigentlich mitten in der Nacht in Wohngegenden zu suchen? Neumann: "Viele Angestellte nehmen ihren Dienstwagen abends mit nach Hause. So sparen wir unnötige Strecken und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes."

Zitat:
"Eine Gefährdung von Menschenleben wurde in Kauf genommen" Ralf Meyer, Polizeisprecher

Ressort: HH Hamburg


 

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