RENATE PINZKE
Der Juso-Chef (27) hat mit seiner Wahl zum Direktkandidaten für Unruhe in der SPD gesorgt.
Der Mann, der die Hamburger SPD in eine erneute Krise stürzt, ist jung und unbekannt. Bislang war Danial Ilkhanipour (27) in Juso-Gefilden unterwegs und von großer Bundespolitik weit entfernt. Nun hat er durch seine überraschende Kandidatur und seinen Sieg in Eimsbüttel den vom Kreis- sowie Landesvorstand favorisierten Bundestagsabgeordneten Niels Annen (36) vom Sockel gestürzt. Der Kreisvorstand trifft sich heute zu einer Krisensitzung. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen.
- Wer ist Ilkhanipour? Geboren wurde er in Elmshorn als einziges Kind einer iranischen Einwandererfamilie. Seine Eltern trennten sich, als er zwei Jahre alt war. Die Schulzeit verbrachte er in Schnelsen und Eidelstedt, studierte Rechtswissenschaft. Rhetorisch geschult, konnte er in seiner bislang wohl wichtigsten Rede vor den 90 Delegierten punkten, die am vergangenen Sonnabend den SPD-Direktkandidaten für Eimsbüttel für die Bundestagswahl nominierten. Seine Hobbys: Mit Freunden Kaffee trinken, Squash, Biografien lesen.
- Politischer Werdegang: 1998 trat er mit 17 Jahren in die SPD ein, war Mitarbeiter von Johannes Kahrs, Sprecher des rechten Seeheimer Kreises. Seit 2006 ist Ilkhanipour Mitglied im Kreisvorstand der SPD Eimsbüttel, seit 2007 ist er Juso-Chef, seit 2008 Mitglied im SPD-Landesvorstand. Ilkhanipour gilt als "Rechter", eine Einordnung, die er von sich weist.
- Warum sorgte seine Kandidatur für Wirbel? Niels Annen, Hoffnungsträger der SPD in Sachen Außenpolitik, hat sich in Berlin einen Namen gemacht. Er wurde vom Kreisvorstand erneut als Kandidat aufgestellt. Ilkhanipour gab seine Kampfkandidatur gegen Annen erst bekannt, als die Delegierten, die über die Nominierung des Kandidaten zu entscheiden hatten, von den Mitgliedern bereits gewählt waren.
- Wie nahm die Krise ihren Lauf? Der Kreisvorstand in Eimsbüttel nannte diese Kandidatur "in ihrem Stil ungeheuerlich", von "Unterwanderung" war die Rede. Auch SPD-Landeschef Ingo Egloff stellte sich hinter Annen, ebenso wie Franz Müntefering.
- Was wird nun aus Annen? Er wird aller Voraussicht nach kein Bundestagsmandat erhalten. Denn ein Einzug über die Hamburger Landesliste gilt als nahezu ausgeschlossen. Seine politische Karriere in Berlin ist vorerst beendet.
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