STEPHANIE LAMPRECHT
Neuer Besitzer plant einen fünfstöckigen Neubau
Als der große Hamburger Brand im Mai 1842 die halbe Stadt in Schutt und Asche legte, stand das Haus mit der heutigen Adresse Ludwigstraße 11 schon. Jetzt, 146 Jahre später, droht dem ältesten Gebäude des Schanzenviertels der Abriss: Eine Immobilienfirma will hier mitten im Sanierungsgebiet Schanzenviertel einen weiteren Neubau errichten. Die Mieter kämpfen für den Erhalt des Relikts aus der Gartenhaus-Epoche.
"Wir fielen aus allen Wolken, als im Juli der Gerichtsvollzieher mit den Kündigungen vor der Tür stand", erzählt Mieter René Rakebrandt (30). Drei Wohnungen gibt es in dem 195-Quadratmeter großen Haus, alle Mieter haben unbefristete Verträge, zahlen zwischen 6,50 und 8,50 Euro Kaltmiete. Der 84-jährige Eigentümer des Hauses sagt, dass das Objekt mit den Mieteinnahmen nicht wirtschaftlich zu betreiben sei: "Wir sind sicher, dass dieser Kündigungsgrund vor einem Gericht keinen Bestand haben wird", so Anwalt Marc Meyer von "Mieter helfen Mietern."
Außerdem sei das Haus, einst ein Pferdestall für den nahen Pferdemarkt, im Sanierungsplan als "Erhalt" eingetragen. Der Hauseigentümer verkaufte das Unikum an die Immobilienfirma "MEL Gesellschaft für Telematik", die laut Kündigungsschreiben das Haus abreißen und einen fünfstöckigen Neubau bauen will. Solange der der Bezirk keine sanierungssrechtliche Genehmigung erteilt, ist der Kauf allerdings noch nicht rechtskräftig. "Wir wollen nun dem Eigentümer selbst ein Angebot unterbreiten, damit das Haus erhalten bleibt", so Mieter Stephan Last (30). Und die Käufer? "Ob der Kaufvertrag jemals rechtskräftig wird, ist aus unserer Sicht ungewiss", so ein MEL-Sprecher.
Ressort: aus den stadtteilen
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