MARCO SCHMIDT
Mit Erfolgsfilmen wie "Rain Man", "Bugsy", "Sleepers" oder "Good Morning, Vietnam" wurde Barry Levinson zu einem der gefragtesten US-Regisseure. Nun wirft er in "Inside Hollywood" einen humorvollen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik. Beim Filmfestival von Marrakesch sprach die MOPO mit dem 66-jährigen Oscar-Preisträger.
plan7: Geht es in Hollywood wirklich so zu wie in Ihrem Film?
Barry Levinson: Ja, wir haben so gut wie nichts satirisch überspitzt und kommen der Realität, glaube ich, sehr nahe. Ich denke nicht, dass man eine Satire über Hollywood drehen könnte, denn der dortige Alltag ist selbst schon viel zu abgedreht, völlig verrückt. Jeder in der Filmbranche kann ein Lied davon singen.
plan7: Was waren denn Ihre verrücktesten Erfahrungen?
Levinson: Am absurdesten waren eigentlich immer die Versuche der Studiobosse, mir die Pistole auf die Brust zu setzen, wenn sie mit einem meiner Filme nicht einverstanden waren. Bei "Rain Man" sagten sie mir beispielsweise: "Falls Sie je den Wunsch verspüren sollten, den Schluss des Films zu verändern, dann haben Sie unsere volle Unterstützung!"
plan7: Aber dass ein Star so ausrastet und bockig auf seinem Zottelbart beharrt wie Bruce Willis in "Inside Hollywood", das erscheint doch sehr unrealistisch.
Levinson: Mag sein, aber genau das ist mit Alec Baldwin bei den Dreharbeiten zu "Auf Messers Schneide" tatsächlich passiert!
plan7: Und wie haben Sie Bruce Willis dazu gebracht, das zu spielen?
Levinson: Das war ganz einfach. Ich gab ihm das Drehbuch zu lesen, und er sagte sofort zu, obwohl ich ihn vorgewarnt hatte, dass wir ihm keine Gage zahlen könnten. Von ihm selbst kam sogar der Vorschlag, seine Figur nicht wie im Drehbuch einfach "Filmstar" zu nennen, sondern "Bruce Willis". Sie sehen also, er hatte überhaupt keine Angst, sich lächerlich zu machen!
plan7: Hatten Sie persönlich mit ähnlich zickigen Stars zu kämpfen wie der Produzent in Ihrem Film?
Levinson: Na klar. Als ich einmal einen Schauspieler kurz vor Drehbeginn in seinem Wohnwagen besuchte, hätte ich ihn fast nicht erkannt, denn er trug plötzlich ein Toupet. Und in einem Anfall von Eitelkeit weigerte er sich, das Ding wieder abzunehmen. Da sagte ich zu ihm: "Hör mal, dieses Toupet passt überhaupt nicht zu deiner Filmfigur. Wir fangen in einer Stunde an zu drehen. Bis dahin kannst du dir überlegen, ob du dabei sein willst oder nicht. Der Mann, den ich engagiert habe, trägt jedenfalls kein Toupet. Basta."
plan7: Um welchen Herrn handelte es sich denn?
Levinson: Das verrate ich Ihnen natürlich nicht!
plan7: Verraten Sie uns wenigstens, wie die Geschichte ausging?
Levinson: Aber gerne. Eine Stunde später erschien der Herr pünktlich am Set - ohne Toupet!
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