SANDRA SCHÄFER
Präsidentin verhindert Einsetzung eines Dekans
Selbstherrliches, undemokratisches Durchregieren wird Universitäts-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz vorgeworfen. Einer, der das am eigenen Leib zu spüren bekommt, ist Professor Dr. Hans-Martin Gutmann (56). Obwohl der Fakultätsrat ihn einstimmig zum neuen Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät wählte, verweigert das Präsidium unter Auweter-Kurtz ihm die formal nötige Einsetzung. Der Grund: Der Mann ist zu kritisch.
In einem Text für die Dekan-Findungskommission hatte Gutmann kein Blatt vor den Mund genommen. Er sollte seine Sicht der Dinge zu Forschung und Lehre darlegen. "Ich habe deutlich gemacht, dass die Funktionsfähigkeit der Universität durch das Hochschulgesetz gefährdet ist", sagt Gutmann. Insbesondere durch die "sehr rigide Umsetzung durch Frau Auweter-Kurtz".
Noch bevor der Fakultätsrat Gutmann wählte, soll es aus dem Präsidium eine Ansage gegeben haben, dass Gutmann nicht mit einer Bestätigung rechnen könnte. "Das man mich trotzdem einstimmig gewählt hat, ist ein Akt demokratischer Freiheit." Gutmann wusste, dass die Uni-Leitung von seinen Ansichten nicht begeistert sein würde. "Ich hätte aber nicht gedacht, dass andere Meinungen so wenig zugelassen werden."
In einem direkten Gespräch habe Auweter-Kurtz ihm die Gründe für seine Ablehnung nicht nennen wollen. Gutmann sieht in einer Entwicklung, wie sie an der Uni stattfindet, eine Gefahr für die Demokratie. "Die Studierenden engagieren sich ohnehin weniger. Wenn sie den Eindruck bekommen, dass ihr Einsatz und ihre Meinung nicht gewünscht sind, dann nimmt ihnen das den Raum für demokratisches Engagement." Da müsse man sich über die Zunahme des Rechtsradikalismus nicht wundern.
Besondere Sorge bereitet den Professoren die geplante Novellierung des Hochschulgesetzes. Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass die Universitätsleitung selbst die Dekane bestimmen kann. Für Auweter-Kurtz würde das einen weiteren Machtgewinn bedeuten. Gutmann: "Dieses Gesetz würde die Krise der Universität verschärfen."
Das sehen Hochschul-Politiker von GAL und CDU offenbar ebenso. Die Gesetzesvorlage ist plötzlich vom Tisch. Stattdessen wird die bestehende "Lex Dräger" evaluiert. Eva Gümbel (GAL): "Bei den katastrophalen Erfahrungen, die wir jetzt an der Uni gemacht haben, mussten wir das stoppen." Danach könne es natürlich auch zu einer Rücknahme von Entwicklungen aus Dräger-Zeiten kommen.
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