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03.07.2009
ARCHIV: THEMA DES TAGES
 

Die Nacht der brennenden Luxus-Autos

WIEBKE STREHLOW

In fünf Stadtteilen werden fast zeitgleich neun Wagen angezündet / Staatsschutz ermittelt / Hat es mit der Schanze zu tun?

Es war generalstabsmäßig geplant: Innerhalb von zehn Minuten zündeten Unbekannte in der Nacht zu Donnerstag in sechs Hamburger Stadtteilen neun Autos an - alles Luxuskarossen oder Postfahrzeuge. Nahezu zeitgleich schlagen die Flammen in Eimsbüttel, Altona, Othmarschen, Rotherbaum und Wilhelmsburg aus den Fahrzeugen. Die Polizei ist sich sicher: Die Taten haben einen politischen Hintergrund. Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts ermittelt.

Es ist Punkt 3 Uhr, als an drei verschiedenen Straßen Autos in Flammen aufgehen. An der Straße Bei der Johanniskirche (Altona) brennen ein BMW und ein Rover. Zeitgleich stecken Unbekannte einen Mercedes an der Straße Durchschnitt (Rotherbaum) an, die Flammen greifen auf einen 3er BMW über. An der Wiesenstraße (Eimsbüttel) brennt ein Porsche Carrera. Die Flammen greifen auf einen VW-Bus über. Nur eine Minute später brennen drei Firmen-Fahrzeuge der Deutschen Post (zwei Renault Kangoo und ein VW Caddy) an der Mengestraße (Wilhelmsburg). Um 3.04 Uhr der nächste Anschlag: Am Taxusweg (Othmarschen) zünden die Unbekannten einen Porsche Cayenne an. Die Flammen greifen auf ein nebenstehendes Haus über. Mehrere Fensterscheiben platzen. Zum Glück wachen die Eltern und ihre beiden Kinder schnell auf und können sich unverletzt aus dem Haus retten. Das Ende der Brandserie ist um 3.10 Uhr. Am Weidenstieg (Eimsbüttel) steht ein Audi TT in Flammen.

Obwohl die Anschläge von mehreren Tätern begangen worden sein müssen, konnten alle flüchten. Die Polizei (Tel. 4286567 89) sucht nun Zeugen. Wie die Fahrzeuge in Brand gesteckt wurden, dazu schweigen die Ermittler bisher. In der Vergangenheit wurde bei solchen Anschlägen jedoch Klebstoff verwendet, der auf die Reifen geschmiert - und dann angezündet wird. Bis die Reifen brennen, dauert es mehrere Minuten. Die Brandstifter nutzen die Zeit, um zu flüchten.

Obwohl es in den vergangenen Jahren mehrere politisch motivierte Brandserien (siehe Text rechts) gab, konnte die Polizei bisher keinen Fall aufklären. Die jetzige Brandanschlagsserie hat zudem eine neue Qualität. Erstmalig wurde an so vielen Orten nahezu gleichzeitig zugeschlagen. Und: Erstmalig wurden Privatwagen angezündet. Das erinnert an ähnliche Taten in Berlin. Dort wurden allein in diesem Jahr bereits rund 170 Fahrzeuge angesteckt.

Welches Motiv die vermutlich linksextremen Hamburger Täter haben, ist noch unklar. An den Tatorten wurden keine Hinweise gefunden. Möglich, dass die Anschläge in Verbindung mit dem Schanzenviertel stehen. Dort wurden in den vergangenen Wochen immer wieder Scheiben von Geschäften eingeworfen, um gegen die "Yuppisierung" des Stadtteils anzukämpfen. Auch das Wasserturm-Hotel im Schanzenpark ist wieder Ziel von Attacken. Zuletzt hatte es Mittwochabend im Viertel Proteste gegeben - McDonald's eröffnete seine Filiale im Bahnhof Sternschanze.

Für viele ist das nur die "Aufwärmphase". Denn morgen steigt das Schanzenfest, bei dem es seit Jahren zu Krawallen kommt (MOPO berichtete). Die Polizei wird mit einem Großaufgebot vor Ort sein.

Info:
Die Flammen griffen auf ein Haus über. Eine Familie konnte sich rechtzeitig retten.

Wer zahlt den Schaden?

Bei der Brandanschlagsserie sind dieses Mal nicht nur Firmen, sondern insbesondere die Besitzer von Privatautos Opfer geworden. Wer übernimmt den Schaden? Rolf Jung (63) vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute "Für Brandschäden an Autos tritt bei der Teilkasko, und somit auch bei der Vollkasko, die Versicherung ein." Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Brand durch einen technischen Defekt oder wie in diesen Fällen um Brandstiftung handelt. Wer weder Teil- noch Vollkasko hat, muss den Schaden selber bezahlen.

Ressort: THEMA DES TAGES


 

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