MALTE STEINHOFF / MARIUS RÖER
Traurige Bilanz der bislang heftigsten Randale beim Schanzenfest - Anwohner genervt / Demonstranten "Einsatzkräfte sind schuld" - MIT FOTOSTRECKE UND VIDEOS
Die Bilanz ist erschütternd: 86 Festnahmen, 18 Ingewahrsamnahmen, 30 verletzte Polizisten, ein ausgebrannter Streifenwagen. Rund 1000 Autonome und knapp 1800 Polizeibeamten lieferten sich in der Nacht zu Sonnabend die bislang heftigsten Krawalle in der Geschichte des Schanzenfestes.
"Die Aggressionsbereitschaft war spürbar höher als in den Vorjahren", sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. Die Gewalt beim Schanzenfest hat sich längst zum alljährlichen Ritual entwickelt. Die Polizei behauptet, Beamte seien um 21.46 Uhr mit Steinen und Böllern beworfen worden. Man habe daraufhin "Wasserwerfer und Schlagstöcke einsetzen müssen". Viele Demonstranten sehen das ganz anders: Die Polizei habe plötzlich grundlos auf die Menschenmenge vor der "Roten Flora" eingeprügelt.
Auch viele Anwohner machen die Einsatzkräfte für die überdurchschnittlich heftigen Krawalle verantwortlich. Peter Hass, Buchhändler aus dem Schulterblatt: "Es war eine unnötige Provokation, dass die Polizei schon am frühen Abend mit Hundertschaften durch die feiernde Menge gezogen ist. Damit hatte sie es sich auch schnell mit den neutralen Besuchern verscherzt." Christiane Schneider, innenpolitische Sprecherin der Hamburger Linken, kritisiert ebenfalls das offensive Vorgehen der Einsatzkräfte: "Ich fühle mich an die Zeiten erinnert, als ein Innensenator Schill der Polizei völlig freie Hand gelassen hat."
Irritierend war in diesem Jahr die große Menge an Gaffern und "erlebnisorientierten Jugendlichen" (Polizeisprecher Meyer), die - mit Bierflasche in der einen, Handykamera in der anderen Hand - die Bürgersteige säumte. Schanzen-Krawalle als abendfüllendes Party-Event.
Die politisch Aktiven haben offenbar Probleme, ihre Anliegen und Botschaften von den Gaffern und den Krawallmachern zu trennen. Ein Nutzer schreibt auf der alternativen Medienplattform "Indymedia" im Internet: "Die Vertreibung von vielen Menschen aus dem Viertel durch die Aufwertung ist ein legitimer Grund, um Widerstand zu leisten. Doch dieser Bezug kommt bei den Auseinandersetzungen am Abend leider kaum an." Andere Bewohner der Schanze sind genervt vom obligatorischen Krawall-Ritual. Ein Nutzer schreibt: "Ich war immer Sympathisant, aber wenn ihr die Bäume in meiner Straße anzündet, werde ich sauer ... ehrlich."
Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) bezeichnete die "Entschlossenheit, Stärke und frühzeitige Präsenz" seiner Beamten als Erfolg. Es sei richtig gewesen, der "Vielzahl von Extremisten und Straftätern" mit "besonders stark aufgestellten Polizeikräften zu begegnen". Ahlhaus kündigte an: "Solchen Extremisten, die unseren demokratischen Rechtsstaat bedrohen, werden wir auch künftig mit einer starken Polizei entgegentreten."
Info:
Weitere Fotos und Videos unter
www.mopo.de/schanzenfest
Zur Fotostrecke
Videos der Krawalle beim Schanzenfest
Video 1
Video 2
Video 3
Ressort: HH Hamburg
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