Freitag, 19.03.2010

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07.07.2009
ARCHIV: Polizei stürmt "Jolly Roger"
 

Prügel-Orgien in der Pauli-Kneipe?

STEFAN KRAUSE

Beamter schlägt Journalist Zähne aus

Die ohnehin schon arg angespannte Beziehung zwischen den Anhängern des FC St. Pauli und der Polizei wird seit der Nacht zum Sonntag einer massiven Zerreißprobe unterzogen. Im Rahmen der Krawalle im Schanzenviertel stürmten Beamte mit Pfefferspray und Schlagstöcken die Fan-Kneipe "Jolly Roger" an der Budapester Straße. Und weil der Grund für die Attacke völlig nebulös ist, die Polizei sehr massiv vorgegangen sein soll und es Verletzte gegeben hat, wachsen Wut und Empörung der Betroffenen. In den Fan-Foren ist von einer "Kriegserklärung" die Rede.

Laut Polizei sei vor dem Laden gegen 3.30 Uhr aus einer Gruppe heraus ein Böller auf Beamte geworfen worden (angeblich von einem Journalisten), dann habe es eine Festnahme gegeben. "Daraufhin", so Polizeisprecher Ralf Meyer, "hat sich eine Gruppe mit dem Festgenommenen solidarisiert, und es kam zu weiteren Gewalttätigkeiten." Warum das Jolly aber gestürmt wurde, bleibt komplett unklar. "Die Leute haben teilweise unter Todesangst die Fenster von innen eingeworfen", sagte ein Vorstandsmitglied des Jolly-Betreibers "Ballkult e. V.". "Jeder weiß, dass unsere Kneipe kein Rückzugsraum für Straftäter ist." Meyer erklärte: "Über weitere Einzelheiten kann ich nichts sagen, weil das ,Dezernat Interne Ermittlungen eingeschaltet ist."

Diese Dienststelle der Polizei prüft, ob sich Beamte etwas zuschulden haben kommen lassen.

Schon in der Nacht hatte Rechtsanwalt Manfred Getzmann, der vor Ort war, gefordert, dass die internen Ermittler hinzugezogen werden. Haupteinsatzleiter Peter Born soll dies verweigert haben. Nun liegen zwei Anzeigen gegen Born wegen Strafvereitelung im Amt vor. Auch Sven K. (Name der Redaktion bekannt), freier Journalist aus Hamburg, dem von einem Beamten vier Zähne ausgeschlagen wurden, wird wohl juristisch gegen die Polizei vorgehen. "Ich stand vor dem ,Jolly', hatte mit der ganzen Randale nichts zu tun. Als die Polizisten abzogen, zog mir der letzte von ihnen ohne Grund den Schlagstock durchs Gesicht."

Gestern Abend beriet er sich mit weiteren Betroffenen und Anwalt Getzmann im ,Jolly'. Von Seiten des FC St. Pauli gab es noch keine offizielle Reaktion. Intern wird aber wohl darüber nachgedacht, eine Stellungnahme der Polizei einzufordern.

Zitat:
"Ich bekam ohne Grund den Schlagstock ins Gesicht" Prügel-Opfer Sven K.


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