THOMAS HIRSCHBIEGEL
Gängeviertel muss gerettet werden
Wer durch die Schanze, durch St. Pauli, Eimsbüttel oder Ottensen spaziert, freut sich über die schönen alten Fassaden. Was viele Hamburg-Besucher nicht wissen - gar nicht wenige dieser Gründerzeit-Häuser stehen nur noch, weil sie von Hausbesetzern vorm Abriss bewahrt wurden. Bestes Beispiel ist das historische Schröderstift am Schlump. Ohne die Besetzer, die bis heute hier leben, würde hier sicher statt des wunderschönen Stifts ein fieses 70er-Jahre-Hochhaus á la Geomatikum stehen. Alte Häuser haben in Hamburg keine Lobby. Da ist es nur zu begrüßen, dass am Wochenende hunderte Künstler und ihre Freunde das Gängeviertel in der Neustadt besetzt haben. Die Stadt hatte die zwölf teils denkmalgeschützten Häuser erst an einen Blender ohne Geld, dann an ein ebenfalls klammes holländisches Unternehmen gegeben. Das Gängeviertel verfällt immer mehr. Das muss die Stadt sofort stoppen - und wenn sie das architektonische Kleinod in der Neustadt selbst restaurieren lässt.
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