OLAF WUNDER
Friedlicher Protest gegen NPD-Kundgebung am Berliner Tor - "Müssen Demokratie gegen braune Brut verteidigen!"
Sonne, strahlend blauer Himmel. Und davor: die roten und grünen Flaggen von SPD, ver.di, der GAL und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Ein Meer von Fahnen. Gestern Nachmittag auf dem Hachmannplatz am Hauptbahnhof: Es ist eine machtvolle Demonstration gegen die NPD, "gegen die Partei der Volksverhetzer und Schläger", wie ein Redner sagt. Rund 1500 Menschen sind zusammengekommen, um ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen.
Denn zeitgleich versammeln sich Neonazis am Berliner Tor, die ihren Marsch unter das Motto stellen "Recht und Ordnung durchsetzen - Schanzenfest dauerhaft verbieten." Veranstalter der Gegendemonstration ist das "Hamburger Bündnis gegen Rechts". Quer durch die Innenstadt, über Mönckebergstraße und Ballindamm führt die Demonstrationsroute der Antifaschisten. Ziel ist die Kurt-Schumacher-Allee. Brisant: Nur wenige hundert Meter entfernt haben sich die Rechtsradikalen versammelt.
Unterwegs ergreifen immer wieder Demokraten das Wort. Ver.di-Chef Wolfgang Rose fordert das Verbot der NPD. Inka Damerau vom SPD-Landesvorstand und auch Antje Möller von der GAL sprechen.
Eindrucksvoll Propst Jürgen Bollmann von der evangelischen Kirche: "Vielleicht wird auch dieser 11. September ein Tag, den wir nie vergessen werden. Wir können sagen: ,Wir sind dabei gewesen.' Wir haben Gesicht gezeigt für Demokratie, Recht und Frieden. Hier und heute geht es darum, kostbare Errungenschaften unserer Demokratie gegen eine braune Brut zu verteidigen." Cornelia Kerth von der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) erinnerte daran, dass allein 2008 Rechtsextremisten mehr als 18000 Straftaten und 965 Gewalttaten verübt haben. Und ausgerechnet sie spielen sich als Hüter von Recht und Ordnung auf.
Zitat:
"Demokratie gegen eine braune Brut verteidigen"
Propst Jürgen Bollmann
"Ausgerechnet die NPD spielt sich als Ordnungshüter auf"
Cornelia Kerth (VVN)
Das sagen Demonstranten
Dorit Harz (56) Hausfrau aus Winterhude "Ich will eine Demokratie in Deutschland, bei der Nazis keine Rolle spielen. Sie haben weder etwas auf unseren Straßen noch in Parlamenten verloren. Ich bin auch dafür, dass die NPD endlich verboten wird."
Severin Pabsch (23), Student aus Altona "Ich bin Sozialdemokrat. Und gemeinsam mit Antifaschisten anderer Parteien will ich ein Zeichen setzen. Ein Zeichen, dass die NPD und die braunen Kameradschaften in diesem Land nicht gewollt sind."
Anna Müller-Heidelberg (27), Journalistin aus Eimsbüttel "Ich demonstriere gegen rechts, weil ich finde, es ist die Pflicht eines jeden Demokraten, Gesicht zu zeigen und ein Zeichen zu setzen gegen Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus."
Ilse Drews (69), Rentnerin aus Wandsbek Es ist ein unbedingtes Muss, dass wir Demokraten Gesicht zeigen und Zivilcourage beweisen. Diese braune Brut muss von der Straße. Mein Vater war im Krieg. Ich weiß, was die Nazis schon einmal angerichtet haben."
Ressort: THEMA DES TAGES
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