RENATE PINZKE, CMB
Großalarm für die Hamburger SPD. Nach einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts "Yougov" im Auftrag der MOPO brechen die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl in Hamburg erdrutschartig ein. Dafür legen die Liberalen in der "Sonntagsfrage" ordentlich zu und überholen in der Gunst der Wähler sogar die sonst so starken Grünen.
In den vergangenen Jahrzehnten konnten die Hamburger Genossen sich darüber freuen, dass sie in der Hansestadt bei Bundestagswahlen stets deutlich über dem Bundestrend lagen. So kamen sie bei der Wahl im Jahr 2005 in Hamburg auf satte 38,7 Prozent (bundesweit 34,2 Prozent). Die CDU hingegen hatte es in Hamburg noch nie leicht, lag 2005 bei 28,9 Prozent. Nun der Schock: Die SPD sackt laut Umfrage auf 29 Prozent ab, liegt damit zwar noch um drei Prozent besser als in bundesweiten Umfragen. Doch die Verluste sind erheblich. Die CDU bleibt in Hamburg relativ stabil bei 28 Prozent. SPD-Landeschef Ingo Egloff versucht, ruhig zu bleiben: "Wir liegen vor der Union, das ist erfreulich. Die Zahlen werden bis zum Wahltag noch besser werden, weil die SPD noch Mobilisierungspotenzial hat."
Hintergrund der großen SPD-Verluste könnte sein, dass die Linke im Jahr 2005 in Hamburg noch keine Rolle spielte. Laut "YouGov" erhält die Linke in Hamburg elf Prozent - und ist vermutlich mitverantwortlich für die schmerzlichen Verluste der SPD.
Erstaunen bei der Fraktionschefin der Linken in Hamburg: "Das übertrifft unsere Erwartungen." Und auch die Elbliberalen können - ganz dem Bundestrend entsprechend - zulegen, kommen auf elf Prozent (2005: neun Prozent). Die GAL verschlechtert sich in Hamburg von 14,9 Prozent im Jahr 2005 auf 13 Prozent.
CDU-Landeschef Michael Freytag meint: "Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Auffällig ist, dass die SPD gegenüber dem letzten Wahlergebnis um neun Prozent einbricht, während die CDU stabil ist."
GAL-Landeschefin Katharina Fegebank zur Umfrage: "Sofern die Umfrageergebnisse repräsentativ sind, können sie ein erster Hinweis darauf sein, wo wir stehen. Wir wissen aber auch, dass sich insbesondere die grünen Wähler häufig erst auf den letzten Metern entscheiden, wo sie am Sonntag ihr Kreuz setzen."
Hier sehen Sie die Ergebnisse der Hamburg-Umfrage
"YouGov"
YouGov wurde 1991 als klassisches Marktforschungsinstitut unter dem Namen "Psychonomics" gegründet, in England sind sie bereits etabliert, in Deutschland sind sie seit Kurzem auch im Bereich der politischen Umfrage tätig. Bei der Landtagswahl in Hessen waren die Umfrageergebnisse von "YouGov" nahe am Endergebnis. Das Institut arbeitet mit einer relativ neuen, aber inzwischen etablierten Umfragemethode. Dabei wird auf einen Pool von Leuten zurückgegriffen, die sich online für Befragungen zur Verfügung stellen - so genannte Panel-Listen. Um die Repräsentativität zu wahren, füllt jeder Panelist einen Fragebogen zu persönlichen und politischen Dingen aus. Damit ist eine Mischung der Bevölkerungsschichten garantiert, so "YouGov".
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