Donnerstag, 18.03.2010

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09.10.2009
ARCHIV: RATGEBER SCHULE
 

In Deutschland werden Schüler zu "Aasfressern"

PETER STRUCK

Das deutsche Gymnasium hat immer davon profitiert, dass es sich schwacher und schwieriger Schüler entledigen konnte. Mit durchweg leistungsstarken Schülern zu arbeiten, ist eben kein großes Kunststück. Die Kunst muss aber auch darin bestehen, Kinder aus benachteiligten Situationen auf dem Weg zu einem hohen Bildungsstart der Gesellschaft mitzunehmen.

Die Skandinavier machen das mit ihrer neunjährigen Grundschule und ihren guten PISA-, TIMSS- und IGLU-Ergebnissen vor. Alle Studien sagen, dass für eine Gesellschaft umso mehr erreicht wird, je länger die Grundschule dauert.

Das andere deutsche Problem ist der frühe Beginn der Noten bereits in Klasse 2 oder 3. Kinder sollen also mit der Angst vor schlechten Noten statt durch Motivation, die Lehrerfantasie erfordert, lernen. Der Hirnforscher Manfred Spitzer sagt dazu: "Menschen können mit Angst Lateinvokabeln lernen, aber jedes Mal, wenn sie später wieder ein lateinisches Wort hören, ist die Angst auch wieder da."

Deutsche Schüler sollen vor allem den Lehrererwartungen entsprechen, jedenfalls sollen sie es mehr, als dass sie ihre Persönlichkeit jeweils individuell anders entfalten. Sie sollen, wie Reinhard Kahl sagt, in der Bildungslandschaft nicht nach dem jagen und das sammeln, was sie interessiert, sondern sie sollen mit Hilfe ihrer Lehrer zu "Aasfressern" werden, die das aufzunehmen haben, was ihnen die Lehrer vorwerfen.

Die Schüler und Studenten wollen nicht durch Aasfressen dick werden, sondern wollen sich frei bilden. Wir haben es heute mit einer jungen Generation zu tun, die sehr zukunftsorientiert ist, die irgendwo ankommen will, die ehrgeizig ist, aber nicht gegängelt werden will. Das haben auch ihre Lehrer erreicht!

Info:
Prof. Dr. Peter Struck, Autor des Buchs "Lernen, lernen", 128 S., Primus-Verlag, 14,90 Euro von der Fakultät für Erziehungswissenschaft beantwortet Ihre Fragen. E-Mail erziehung@mopo.de


erziehung@mopo.de


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