AO
Der Autor wurde beschimpft, beleidigt, rausgeschmissen
Der Mann ist schwarz. Er ist höflich, steht am Tresen einer Kölner Kneipe, trinkt ein Bier, kauft einer Frau eine Rose - und wird rausgeschmissen. Eine alltägliche Demütigung, wie sie Günter Wallraff fast ein Jahr lang immer wieder erlebte. Günter Wallraff? Ja. Der Enthüllungsjournalist reiste ein Jahr lang als angeblicher somalischer Flüchtling durch Ost- und Westdeutschland. Und wurde bepöbelt, beleidigt und ausgegrenzt.
Kein Zutritt zur Disco, keine Wohnung ("Für den doch nicht"), kein Zelt auf dem Campingplatz. Und immer wieder hagelt es Beschimpfungen: "Affen nach Afrika!". Manchmal wurde es für den 67-Jährigen auch gefährlich. "Ich war beim Fußballspiel Cottbus gegen Dresden. Wenn da nicht die Polizei gewesen wäre, hätten die mich alle gemacht", erzählt er der MOPO.
In seinem neuen Buch "Aus der schönen neuen Welt", das er jetzt auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte, beschreibt er all die Demütigungen. Manches filmt er auch mit versteckter Kamera.
Ausführlich schilderte Wallraff gestern eine Anekdote bei der Wohnungssuche als Schwarzer. Eine Vermieterin habe ihn höflich behandelt, später aber über ihn hergezogen. Der Kommentar der Frau sei mit ihrer Erlaubnis im Buch veröffentlicht: "Der war so was von schwarz und dann die Haare ... Ich kann das am Telefon ja gar nicht erkennen ... Er sprach ja ein gutes Deutsch ... Also, der war so schwarz wie der Heidi Klum ihrer. Deswegen war ich so entsetzt."
Verdacht, dass er gar kein Flüchtling sei, habe niemand geschöpft. Er habe lange gesucht, bis er eine Maskenbildnerin fand, die mit einer speziellen Sprühfarbe arbeitet. Eine perfekte Tarnung. Selbst in einer Kneipe in seiner Nachbarschaft habe ihn keiner erkannt. Dafür gab's Beleidigungen - wie so oft. "So ein Erlebnis vor meiner eigenen Haustür. Das hat mich schockiert!"
Wallraff war aber nicht nur als Schwarzer unterwegs. Er gab sich als Obdachloser aus, arbeitete verdeckt als Callcenter-Agent und als Niedriglöhner in einer Großbäckerei: Aufgrund seiner Berichte ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft, gegen den Inhaber wurde soeben ein Strafbefehl verhängt.
BU:
Wie lebt es sich als Schwarzer in Deutschland? Günter Wallraff hat das hautnah erfahren.
Günter Wallraff mit seiner Alibi-Familie im Schminkraum. Bis zu zwei Stunden dauerte anfangs die Verwandlung.
Zitat:
"Beim Fußballspiel in Cottbus wurde es lebensgefährlich"
Günter Wallraff
Ressort: PANORAMA
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