DAVID SIEMS
Er hat nicht nur als Schauspieler Karriere gemacht, sondern war auch Olympiaschwimmer, Wasserballer, Pilot, Modedesigner, Musiker und Politiker. Der Italiener Carlo Pedersoli alias Bud Spencer ist zudem Erfinder des "Haudrauf"-Films.
MOPO: Am kommenden Sonnabend werden Sie 80. Wie geht es Ihnen?
Bud Spencer: Ich fühle mich ein bisschen alt, aber ich habe keine Beschwerden. Im Kopf bin ich 28, nur mein Körper ist fast 80. Körper und Geist kämpfen ständig miteinander. Jedes Mal, wenn der eine etwas Ungewöhnliches machen will, sagt der andere: "Bist du verrückt geworden?"
MOPO: Sie mussten sich immer prügeln in Ihren Filmen. Wie viel Spaß hat Ihnen das gemacht?
Spencer: Wir haben uns die ganze Zeit nur kaputtgelacht, weil wir wieder kleine Jungs sein durften. Ich war superkräftig und konnte immer schön austeilen, außerdem haben wir ein eigenes Filmgenre erfunden, den "Comic-Western". Den Spaghetti-Western kannte die ganze Welt, also machten wir was Neues. Die Amerikaner haben uns später kopiert, Mel Brooks zum Beispiel.
MOPO: Waren Sie nicht völlig schlapp nach einem Drehtag?
Spencer: Kein bisschen, ich war immer fit und gut durchtrainiert. Bin ich übrigens immer noch.
MOPO: Aber Sie prügeln sich heute nicht mehr ¼
Spencer: Ich schlage nur noch meine Frau! Schreiben Sie das, die Leser finden das bestimmt lustig!
MOPO: Haben Sie sich nie verletzt? In der Saloon-Prügelszene von "Vier Fäuste für ein Halleluja" wimmelt es von Tischen und Stühlen in der Luft ¼
Spencer: Ich habe nie etwas abbekommen, nur Terence Hill wurde ein Mal leicht verletzt, als er einen Tisch auf die Stirn bekommen hat. War aber nur ein bisschen Blut.
MOPO: Welcher Schlag ist eigentlich am effektivsten?
Spencer: "La Bomba", den habe ich erfunden. Dabei haut man mit seiner Faust dem Gegner auf den Kopf wie mit einem Hammer. Es gab auch andere Sachen, die wir uns ausgedacht haben: Fünf Typen liegen auf mir, und dann, bamm, haue ich alle im hohen Bogen weg!
MOPO: Was ist wichtig für eine gute Schlägerei?
Spencer: Im echten Leben? Da darfst du keine Angst haben. Und wenn du sie hast, dann darfst du sie zumindest nicht zeigen. Aber was weiß ich schon. Die Male, die ich mich in meinem Leben ernsthaft geprügelt habe, kann ich an einer Hand abzählen. Und da habe ich mir vorher schon ein paar Finger abgeschnitten.
MOPO: Und für eine gute Schlägerei im Film?
Spencer: Das Wichtigste sind die Hausaufgaben: Für eine Minute Prügelei im Film brauchst du eine Woche Vorbereitungszeit. Alles muss unglaublich präzise sein.
MOPO: Wann und wo haben Sie Terence Hill kennengelernt?
Spencer: 1968 bei den Dreharbeiten zu "Gott vergibt, wir beide nie". Er war sehr viel jünger als ich und hatte von Anfang an großen Respekt vor mir, da er mich noch als Sportler kannte. Es hat drei bis vier Filme gedauert, aber dann wurden wir richtige Freunde, was wir heute noch sind. Wir besuchen uns regelmäßig.
MOPO: Wie war Ihr erster Eindruck von ihm?
Spencer: Weiß ich nicht mehr. Ich dachte nur an das Geld, das ich für den Film bekommen würde. Aber wir verstanden uns auf Anhieb.
MOPO: Stimmt es, dass Sie beide noch einmal einen Film machen wollen?
Spencer: Ja, es gibt sogar zwei ganz konkrete Ideen. Die eine ist "Don Quijote und Sancho Pansa" und die andere "Dr. Jekyll & Mr. Hyde". Aber wir müssen dabei eine Sache akzeptieren: Wir sind nicht mehr in der Lage das zu tun, was wir früher in unseren Filmen gemacht haben.
MOPO: In Sport und Film wurden Sie zum Helden. Fühlen Sie sich wie ein Held?
Spencer: Ich bin einfach ein normaler Typ. Es gibt keine Helden. Jeder Mensch lebt das Leben, welches ihm das Schicksal in die DNA gelegt hat.
MOPO: Hatten Sie als junger Mann keine Helden?
Spencer: Zu der Zeit war ich mein eigener Held. Ich war ja auch die Nummer eins. Aber ich habe dann irgendwann begriffen, dass man Tag für Tag aufs Neue lebt und nicht zum Helden geboren wird. Oder haben Sie kürzlich jemanden mit einem Superman-Umhang gesehen?
MOPO: Viele Menschen glauben, dass Barack Obama einen hat.
Spencer: Stimmt. Aber mich hat schon immer mehr der Gedanke interessiert, wie ich mein Leben persönlich in die Hände nehmen und steuern kann. Ich glaube, man sollte sich nicht so abhängig von anderen Menschen machen. Deshalb ist auch die Hysterie um Obama ein wenig befremdlich. Der Mann ist nicht Jesus.
MOPO: Wenn Sie kein Held sind, was sind Sie dann?
Spencer: Ich bin ein Tier mit menschlichem Antlitz, das im Rahmen seiner Möglichkeiten lebt. Ich möchte dem lieben Gott danken, dass ich bislang so ein vielseitiges Leben führen durfte. Mir war und ist es vergönnt, mich ständig neu ausprobieren zu dürfen.
MOPO: Waren Sie immer ein freier Mann?
Spencer: Niemand ist wirklich frei, denn es gibt Gesetze, an die wir uns halten. Ist es nicht merkwürdig, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das so etwas erfunden hat? Alle Tiere sind nackt, und wir tragen Kleidung. Wir sind verurteilt, niemand ist frei.
MOPO: Hatten Sie viele Frauen in Ihrem Leben?
Spencer: Ich bin seit 48 Jahren verheiratet und habe meiner Frau stets gebeichtet, wenn ich sie betrogen habe. Sie hat mir stets verziehen. Das ist wahre Liebe, die steht über den Dingen. Geilheit und Leidenschaft sind doch eigentlich nur Dummheiten.
MOPO: Angst vor dem Tod?
Spencer: An dem Tag, an dem ich aus dem Bauch meiner Mutter kam, war ich bereits zum Tode verurteilt. So wie jeder Mensch. Ich habe nur Angst davor, dass ich vielleicht Qualen leiden muss.
MOPO: Wenn Sie Gott begegnen, und er Sie nach dem Motto Ihres Lebens fragt, was sagen Sie?
Spencer: Lassen Sie mich vorbei, ich muss mein Leben leben.
Info:
80 Jahre Bud Spencer
Bud Spencer wurde als Carlo Pedersoli am 31.10.1929 in Neapel geboren. Ende der 40er Jahre zog seine Familie nach Südamerika, wo er an der "Panamericana", der transamerikanischen Autobahn mitbaute. 1952 und 1956 nahm er bei den Olympischen Spielen als Schwimmer (100-Meter-Freistil) teil. Seine erste Rolle als Bud Spencer hatte er 1957 in Giuseppe Colizzis "Gott vergibt ¼ wir beide nie". Es folgten weitere 103 Filme. Neben der Schauspielerei war er außerdem professioneller Wasserballer, Musikproduzent, Pilot, Modedesigner, Jurist und Politiker. Im Frühjahr 2009 spielte Bud Spencer in der deutschen Mafia-Komödie "Mord ist mein Geschäft, Liebling" mit.
Zitat:
"Bei den Prügelszenen fühlten wir uns wieder wie kleine Kinder. Wir hatten sehr viel Spaß"
"Ich bin ein Tier mit menschlichem Antlitz, das im Rahmen seiner Möglichkeiten lebt"
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