THOMAS HIRSCHBIEGEL
Er schlug 100 Männer zusammen, scheffelte Millionen bei Warentermin-Deals, wollte schließlich sogar für seinen Gangsterboss töten - Cem Gülay (39) sagt von sich selbst: "Ich war eine Bestie." Nun hat der Hamburger Deutsch-Türke seine Biografie herausgebracht (MOPO am Sonntag berichtete) und darin malt er ein erschreckendes Szenario über drohende Unruhen in deutschen Großstädten.
Die These des Ex-Gangsters: Weil es in Deutschland nicht gelingt, jugendliche Migranten zu integrieren, rotten sich junge Leute ohne Zukunftsaussichten zusammen: "Es kann jederzeit passieren. Es werden keine Vorstädte brennen wie in Paris. Nein, die Innenstädte werden brennen. Sie werden diesen Kampf in die Städte tragen, weil es euch dort am meisten schmerzt."
Bereits jede vierte Familie in Deutschland hat einen Migrationshintergund. Gülay meint, es würden heute Taten wie in Mölln oder Solingen reichen, um eine "Explosion in uns hervorzurufen". In 30 Jahren hätten der Deutschenhass und der Fremdenhass zigtausende Verletzte und hunderte Tote gefordert. Gülay: "Wenn wir nicht aufpassen, können wir uns auf etwas gefasst machen. In 20 Jahren werden Bürger mit Migrationshintergrund in den Großstädten bereits die Mehrheit bilden." Wenn für die Ausbildung der Migrantenkinder nicht mehr getan werde, hätten sie auf dem Arbeitsmarkt überhaupt keine Chancen mehr. Gülay: "Außer als Soldat in einer Mafiabande." In den "Hamburger Ghettos", wo sie leben, würde "totale Perspektivlosigkeit herrschen". Wenn die Jugendlichen dann am Gänsemarkt aussteigen, sehen sie Menschen, die alles haben: "Muss man sich wundern, dass sie davon etwas abhaben wollen? Es kann jeden treffen, und es kann jederzeit losgehen."
Hintergrund: "Ich wurde zum Gangster ausgebildet"
Ressort: HH Hamburg
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