Sonntag, 29.11.2009

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08.11.2009
ARCHIV: Geschichte
 

Bundestag würdigt 20. Jahrestag des Mauerfalls

Berlin - In Berlin haben am Sonntagabend die offiziellen Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls begonnen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert dankte bei einem festlichen Empfang im Paul-Löbe-Haus des Parlaments den europäischen Bürgerrechtlern, die die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas in Gang gebracht hätten. Aus einer Serie von Niederlagen sei der große Triumph der Freiheit hervorgegangen.

Gastredner war der Präsident des europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Der frühere polnische Ministerpräsident hatte sich in den 1980er Jahren in der Gewerkschaft Solidarnosc engagiert, die maßgeblichen Anteil am Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Europa hatte. «Die Menschen östlich des Eisernen Vorhangs hatten nur ihre große Herzen gegen die Panzer, aber sie siegten», sagte er. «Begonnen hat alles vor der Danziger Werft, geendet hat es vor dem Brandenburger Tor.»

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die von ihrem Mann Joachim Sauer begleitet wurde, kamen auch zahlreiche Mitglieder der Bundesregierung und des Parlaments, des diplomatischen Corps und Vertreter des gesellschaftlichen Lebens zu der Feier. Auch die Präsidentin der einzigen frei gewählten DDR-Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl (CDU), war dabei, als das Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks die Sinfonie «Eroica» von Ludwig van Beethoven sowie Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy spielte.

Lammert erinnerte an die 155 Kilometer lange Mauer rings um Berlin, an der Jahr für Jahr Menschen ums Leben gekommen sind. Mit der Mauer sei nicht nur ein städtebauliches Monstrum beseitigt worden, sondern ein Unrechtsstaat. Busek sagte: «Ohne die Zerstörung dieser Mauer, ohne eine Versöhnung zwischen Ost und West, ohne eine Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und ohne die Wiedervereinigung Deutschlands gäbe es keine Wiedervereinigung Europas.»

An diesem Montag feiern Deutsche und Gäste aus aller Welt in Berlin das Ende der jahrzehntelangen deutschen Teilung. Kanzlerin Merkel, die Staats- und Regierungschefs aus rund 30 Staaten zu den Jubiläumsfeiern erwartet, nannte den 9. November 1989 den «glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte». Sie hob die Rolle der DDR-Bürgerrechtler und der Kirchen beim Ende der DDR hervor.

Zehntausende Menschen aus der ganzen Welt strömten bereits am Wochenende an die einstige Trennlinie zwischen Ost und West. Am Montag werden hunderttausende Gäste erwartet. Etwa 3000 Journalisten aus aller Welt wollen berichten. Am 9. November erinnert Deutschland aber auch an die Pogromnacht von 1938 und die Verfolgung tausender jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten.

Merkel sagte in ihrer wöchentlichen Internet-Botschaft, die Bürgerrechtler hätten «durch ihr mutiges Eintreten für Freiheit und Demokratie ganz wesentlich dazu beigetragen..., dass die Maueröffnung möglich wurde». Sie hob auch die Rolle der Kirchen als «mutige Begleiter in der Phase der Montagsdemonstrationen und Friedensgebete» hervor. Am Montag will sie mit Vertretern dieser Gruppen und Zeitzeugen über die Brücke der Bornholmer Straße gehen, wo damals die DDR-Bürger zuerst in den Westteil Berlins drängten.

Höhepunkt des Mauerfall-Jubiläums ist am Montag ein Fest der Freiheit in Berlin. Staats- und Regierungschefs aller EU-Mitgliedsstaaten sowie US-Außenministerin Hillary Clinton und der russische Präsident Dmitri Medwedew werden dazu in der Hauptstadt erwartet.

Nach einer Umfrage wünscht sich jeder Achte in Ost und West, dass die Mauer schnell wieder aufgebaut wird. Dafür sprachen sich 12 Prozent Teilnehmer einer repräsentativen Befragung im Auftrag der «Leipziger Volkszeitung» aus. Mit 79 Prozent waren sich dagegen die Allermeisten einig, dass der Mauerfall ein Glücksfall für alle Deutschen war. Zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) finden nach dieser Umfrage, dass die Wiedervereinigung gut gelungen ist, darunter 55 Prozent im Osten und 69 Prozent im Westen.

Der ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, sieht bei vielen Ostdeutschen noch immer Skepsis gegenüber dem vereinten Deutschland. «Die Freude an der Freiheit hat sich in Furcht vor der Freiheit verwandelt», sagte der 69 Jahre alte frühere DDR-Bürgerrechtler im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Besonders die «von einer Partei» betriebene politische Nostalgie fördere die Ablehnung Gesamtdeutschlands, sagte Gauck in Anspielung auf die Linkspartei.

Die Kanzlerin sprach sich mit Nachdruck gegen einen Schlussstrich unter die DDR-Geschichte aus. «Einen Schlussstrich ziehen zu wollen heißt, etwas verdrängen zu wollen», sagte sie der «Leipziger Volkszeitung». «Erstens funktioniert das nie, und zweitens bin ich der Überzeugung, dass wir die Erinnerung an das Geschehene wach halten müssen, um die Zukunft zu gestalten», sagte Merkel. «Das sind wir außerdem den vielen Opfern des SED-Regimes und auch kommenden Generationen schuldig.»

Ressort: pl


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