Freitag, 18.12.2009

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09.11.2009
ARCHIV: Mit versteckter Kamera
 

MOPO-Reporter entlarvt Voodoo-Zauberer

OLAF WUNDER

Voodoo - schon bei dem Wort sträuben sich einem Mitteleuropäer die Nackenhaare. Furchterregende Zeremonien bei flackerndem Feuer. Puppen, die mit Blut beschmiert und Nadeln traktiert werden - mit dem Ziel, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Schauderhaft. Und wer glaubt, all das gibt es nur auf Haiti oder Kuba, der irrt. Hamburg entwickelt sich unbemerkt zu einer Hochburg der schwarzen Magie. Mister X deckt auf.

Angefangen hat alles mit einer Postwurfsendung. Da verspricht einer, der sich Mr. Diaby nennt und sich für einen "großen Hellseher" hält, die Lösung sämtlicher Probleme. Weniger als 72 Stunden - und die entlaufene Ehefrau ist wieder da, Impotenz geheilt, die gefürchtete Prüfung gemeistert und der Chef, der einen eben noch gefeuert hat, bietet eine Wiedereinstellung an. Voodoo macht's möglich.

Mister X will wissen, wie gut der Mann wirklich ist. Und wie viel Geld er verlangt. Um 11 Uhr habe er noch einen Termin frei, so Mr. Diaby am Telefon in gebrochenem Deutsch. Der MOPO-Reporter steht pünktlich vor der Wohnungstür im zweiten Stock eines Hauses in Winterhude. Ein Afrikaner in Straßenkleidung macht auf. Er bietet einen Platz an. Verschwindet. Und kommt verkleidet mit einem blaugelben Gewand und mit bunter Kappe zurück.

Auf einem Wohnzimmertisch, auf dem ein Durcheinander herrscht aus Wasserflaschen, Arzneimittelpackungen, Fernbedienungen und einer Haushaltsrolle, findet sie dann statt - die merkwürdige Zeremonie. Allerdings keine Puppen. Kein Blut. Kein Tieropfer. Der Mann fragt nach Geburtsdatum, Vor- und Zuname und hört sich an, was das Problem ist. Er habe Frau und Job verloren, erzählt Mister X ihm.

Mister Diaby schweigt die meiste Zeit. Zeichnet Linien auf Papier. Wedelt mit den 30 Euro herum, die sein Besucher als Honorar hat mitbringen müssen. Und immer wieder schüttelt er Muscheln in der Hand, lässt sie auf ein Stück Papier fallen und schaut sie sich dann lange bedeutungsschwanger an. Schließlich kommt er zu dem Schluss, dass sein Besucher viele Probleme habe. Mister Diaby sagt, er werde in der Nacht die Geister befragen. Am Sonntag soll Mister X wiederkommen - ach ja, und Geld mitbringen! 360 Euro - dann seien die Probleme in drei Tagen gelöst. Oder 200 Euro - dann dauert's aber länger.

"Ein Scharlatan" - das ist das nicht wirklich überraschende Urteil von Gabriele Lademann-Priemer, der Sektenbeauftragten der Nordelbischen Kirche. "Ein Schwarzmagier, dem es nur ums Geld geht." Aber damit ist er nicht allein. Wer bei Google nach den Stichwörtern "Voodoo" und "Hamburg" sucht, stößt auf Liebesmagier wie Nadine und Estefania - zwei, die ebenfalls an der Verzweiflung anderer verdienen. Persönliche Termine sind nicht möglich. Alles läuft per E-Mail. So hält man sich Enttäuschte vom Leib.

Wieder sagt Mister X, die Frau sei ihm davongelaufen. Ein Foto der Angebeteten und eins von sich selbst schickt er mit. Kurz darauf die Antwort: "Ich darf Dir mitteilen, dass Ihr noch eine große Chance habt." Um 22 Uhr werde sie mit dem Voodoo-Ritual starten. Erst eine Partnertrennung - damit die Geliebte ihrem neuen Freund den Laufpass gibt. Dann die sogenannte "Rückführung". Und das alles für "nur 390,90 Euro". Ein Schnäppchen.

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