HENRIK DRÜNER
Ganz ohne Drama und Seelenpein kommt Brian Molko immer noch nicht aus. Der Placebo-Sänger nimmt sich Lebenskrisen und Neuanfänge als Vorlage für seine Songs, sinniert darin über Beziehungen, persönliche Schicksale, Alkohol- und Drogenexperimente.
Aber das Konzert zur neuen Platte “Battle For The Sun" in der nicht ganz ausverkauften Color Line Arena beweist auch: Placebo haben zu einer Identität, einem Sound gefunden, der Gitarren-Riffs, Melodramatik und Adrenalin massenkompatibel vereint. Der einst so androgyne Camp-Star trägt sein Haupthaar mittlerweile erstaunlich lang, wirkt geradezu muskulös.
Und er ist ebenso dunkel gewandet wie ein Großteil der anwesenden Goth-Fans, die es besonders schätzen, wenn zwischen den lärmenden Gitarren noch Weltschmerz und Empfindsamkeit durchschimmern.
Neben Stefan Olsdal (Bass, Gitarre) und drei weiteren Live-Musikern steht vor allem der neue Drummer Steve Forrest für diese stilistische Neuverortung. Er kam von der US-Punkband Evaline entsprechend robuster klingt auch das Rhythmus-Fundament.
Auf seiner Bassdrum kann man “A new tomorrow" lesen ein Verweis auf den neuen Song “Speak In Tongues" mit der Textzeile “We can build a new tomorrow today". So eine Aussage wäre Molko vor zehn Jahren zu Zeiten von “Without You I'm Nothing" nicht über die Lippen gekommen. Stattdessen fällt gleich zu Beginn unter lautem Jubel der Vorhang , der die Sonnenfinsternis projiziert.
Zu einer gefeierten Uptempo-Nummer gerät die Single “For What It¹s Worth", immerzu angetrieben von einem dynamischen Bass und stroboskopisch zuckenden Scheinwerfern. “Game Over" verkündet dazu die Videoleinwand im Bühnenrücken, später “Credit: 0" in der bekannten Daddelautomaten-Schrift.
Wohl den Computerspiel-Sequenzen aus Super Mario Bros geschuldet, und nicht mehr als Molkos Lebensphilosophie zu deuten.
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